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Unsere Serie „Typisch Mann-Typisch Frau": Teil 89

 

Sex-Tempera­mente
Wenn sie nicht will wie er

Sex im gleichen Takt – davon träu­men viele Paare. Doch in der Wirk­lich­keit be­gegnen sich unter­schied­liche Sextypen: Er hat mor­gens Lust, sie am Abend. Er will Fessel­spiele auspro­bieren, sie mag Zärtlich­keit und hasst Ex­peri­mente. Eine Sack­gasse für die Liebe?

Das erste Rendez­vous. Vor­freude auf mehr. Auf erste Zärt­lich­keiten – und auf hemmungs­losen Sex. Doch freuen sich beide wirk­lich auf das Gleiche? Sie träumt viel­leicht von stunden­langen Streichel­einheiten mit den Finger­spitzen und einem Spiel von Annä­herung und Rück­zug, bis sie es vor Sehn­sucht nicht mehr aushält. Er phantasiert von einem wilden, uner­sättlichen Über­einanderher­fallen, sobald die Wohnungstür hinter ihnen ins Schloss fällt.

Unter solchen Vorzeichen fällt die erste gemeinsame Nacht ernüchternd aus. Wenn er Kavalier ist, wird er sich ihren Wünschen anpassen. Falls sie ihm klare Zeichen gibt, was sie will. Wenn sie nun aber glaubt, ihre Herzen müssten im Gleichtakt schwingen? Er müsse ihr alle Wünsche von den Augen ablesen? Dann lässt sie seine rasende Leidenschaft über sich ergehen und sagt sich hinterher: „Das war’s. Bloß kein zweites Mal mit diesem Grobian!“

Andere Paare bemühen sich am Anfang, auf die Wünsche des Partners einzugehen. In diesem Fall fängt die Ernüchterung nach einigen Wochen an. Die Sexhäufigkeit und –vielfalt nimmt ab. Wie in anderen Lebensbereichen treffen auch im Sex unterschiedliche Temperamente aufeinander. Im Idealfall ergänzen sie sich: Der eine ergreift gern die Initiative, der andere mag es, verführt zu werden. Der eine ist leicht erregbar, der andere ist ruhig und genießt das Begehren des Partners.

Doch wehe, wenn die Temperamente nicht zueinander passen! Er steht auf Sexspielen, die sie einfach lächerlich findet. Oder beide haben genaue Vorstellungen, wie der ideale Sex ablaufen sollte – nur sind ihre Ideale leider völlig verschieden. Die häufigsten Sex-Temperamente:

Erotisch. Die Qualität der Beziehung zeigt sich in der Qualität der erotischen Begegnung. Das erotische Temperament zeigt sich experimentierfreudig, will immer neue Sextechniken, Rollenspiele und Sexspielzeuge ausprobieren. Macht der Partner mit, ist es wie ein Liebesbeweis. Weigert er sich, steht für Erotiker die Beziehung auf der Kippe.

Emotional. Das Bedürfnis nach Sex folgt dem Grad der emotionalen Verbundenheit. Hat es gerade Streit gegeben, erlischt auch jedes Bedürfnis nach Sex. Für andere Temperamente sieht das nach einem Tausch „Sex gegen Wohlverhalten“ aus – reichhaltiger Konfliktstoff.

Launisch. Das Gegenteil des vorigen Typs. Sex dient dem Spannungsabbau. Gab es Ärger, kommt Sex gerade recht. Auch Streit heizt das Verlangen an.

Aktiv sinnlich. Menschen dieses Temperamentes haben genaue Vorstellungen, welche Art Sex sie wollen und vom Partner erwarten. Wenn der andere mich liebt, wird er auch meine Wünsche erfüllen.

Passiv sinnlich. Dieses Temperament genießt das Begehren des Partners und die Erregung, die es beim Partner hervorruft. Hier ist Sex eine Art, Zuneigung zu erwerben.

Nüchtern. Für dieses Temperament steht Sex nicht im Mittelpunkt des Lebens. Wenn die Zeit und die Atmosphäre stimmen, lässt es sich verführen und genießt die Zärtlichkeit. Doch lieber freut man sich auf andere Hobbys, gern gemeinsam mit dem Partner.

Oft sind die Temperamentsunterschiede am Anfang nur klein. Auf der Suche nach Liebe halten wir ja nach Gleichgesinnten Ausschau. Daher wählen wir jemanden, der uns im Temperament ähnlich ist. Leider genügen kleine Unterschiede, um eine Spirale wechselseitigen Ablehnens ist Gang zu setzen. Da man sich gut versteht, sollen die kleinen Unstimmigkeiten auch noch beseitigt werden. Leider hält aber jeder seinen Standpunkt für den einzig vernünftigen. Also beginnt ein Gerangel um die Kleinigkeiten. Was vorher eine Nebensächlichkeit war, tritt nun in den Mittelpunkt. Jeder beharrt auf seiner Meinung. Die Distanz wird größer. Schließlich ziehen sich beide in ihre Welt zurück. Frust macht sich breit.

Doch es gibt Wege, sich wieder anzunähern. Stoppen Sie die Vorwürfe – egal, ob innerlichen Groll oder ausgesprochene Beschuldigungen. Keiner kann etwas für sein Temperament. Es hat nichts damit zu tun, wie sehr der andere Sie liebt. Was „gut im Bett“ bedeutet, dafür gibt es keine Norm, die unabhängig von der Persönlichkeit für alle gilt.

Versuchen Sie also herauszufinden, was den anderen erregt, was ihm Spaß bereitet, was er für idealen Sex hält. Welches Sex-Temperament sind Sie, welches Ihr Partner? Haben Sie das erkannt, reden Sie darüber. Versuchen Sie, Verständnis für die Eigenart der andern zu gewinnen.

Dann überlegen Sie, wo Ihre Gemeinsamkeiten liegen. Beginnen Sie auf diesen Feldern zu experimentieren. Erfüllen Sie die Wünsche des andern, lassen Sie sich mal führen. Techniken, die der andere gar nicht mag, lassen Sie erst einmal beiseite. Guter Sex ist spielerisch, keine Leistungssport nach Zensuren. Sex ist genauso unvollkommen wie das übrigen Leben – und macht Genießern gerade deshalb Spaß.

Veröffentlicht im April 2008 © by www.berlinx.de

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