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Unsere Serie „Typisch Mann-Typisch Frau": Teil
83
Beziehungsterror
Mobbing in der Partnerschaft
Er redet abfällig über sie vor ihren Freundinnen, sie bestraft ihn mit Sexentzug. Sie reagiert gekränkt, er dreht ihr einfach den Rücken zu. Mobbing ist im Alltag von Paaren genauso häufig anzutreffen wie in der Berufswelt.
Frisch Verliebte
lesen einander jeden Wunsch von den Augen ab. Doch bald kühlt
die Leidenschaft ab, beklagen sich viele Paare. Gleichgültigkeit
und Alltagsroutine zieht ein.
Langeweile
da haben die beiden noch Glück gehabt. Etwa bei jedem fünften
Paar kommt es schlimmer. Die Enttäuschung über die
verflogene Liebe verwandelt sich in Groll. Die zwei fangen an,
gegeneinander zu sticheln. Sie machen geringschätzige
Bemerkungen über den andern erst hinter seinem Rücken,
dann öffentlich in seiner Anwesenheit. Der Kleinkrieg eskaliert.
Aus Nörgeln werden böswillige Intrigen und körperliche
Gewalt.
Paare, die am
Anfang eine tiefe Seelenverbindung spüren, sind besonders
gefährdet. Denn sie haben hohe Ansprüche aneinander. Der
Partner ist die perfekte Ergänzung, spürt jeden
unausgesprochenen Wunsch und bildet einen starken Schutzwall gegen
die übrigen Welt. Einige Wochen lang scheint alles wunderbar zu
sein. Doch dann kommen Momente, wo der Partner aus der Rolle fällt.
Wo er befremdliche Wünsche äußert. Wo er
Unverständnis zeigt. Die beiden beginnen einander zu ermahnen,
zu kritisieren und zu erziehen. Sie wollen einander zwingen, weiter
dem eingebildeten Ideal zu entsprechen. Sie strafen einander für
ihre Ent-Täuschung.
Realistische
Paare haben es leichter. Sie nehmen einander mit Toleranz und Humor.
Für ihre Meinungsverschiedenheiten handeln sie
alltagstaugliche Lösungen aus. Zum Glück klappt das in den
meisten Fällen auch. Aber in einer Gewis-Umfrage berichteten
knapp 40 Prozent von Mobbing-Aktionen ihres Partners. Und ebenso
viele kennen mindestens ein Paar, bei dem Mobbing stattfindet.
Hat sich Mobbing
als Umgangsstil ausgebildet, bleibt meist nur die Trennung. Es fällt
sehr schwer, eine Serie von Kränkungen zu verzeihen. Und von
Sticheleien auf Toleranz und Sachlichkeit umzuschwenken. Die
Kombination aus überhöhten Ansprüchen an das perfekte
Paar sowie fehlende wirtschaftliche Zwänge zu pragmatischer
Kooperation im Alltag trägt dazu bei, dass hemmungslose
Machtkämpfe zunehmen. Die Trennungsquote steigt, die Dauer des
Zusammenbleibens sinkt.
Viele leben
allerdings lieber in einer schlechten Beziehung als allein. Vor
allem, wer schon mehrere Trennungen und Neuanfänge hinter sich
hat, findet sich irgendwann mit dem unbefriedigenden Zustand ab. Auch
dann, wenn der Psychostress auf die Gesundheit schlägt. Oft
verfallen die Beteiligten immer wieder in das gleiche
Beziehungsmuster, dass schon bei den letzten Malen nicht funktioniert
hat.
Erste
Alarmzeichen für Mobbing sind:
Humorvolle
Bemerkungen des andern wirken verletzend.
Sie spüren
das Bedürfnis dem andern mal zu zeigen wie das ist.
Nach einem
Streit herrscht tagelang Gewitterstimmung oder Funkstille.
Sie fangen
beide an, Meinungsverschiedenheiten für sich behalten.
Sie
entdecken an ihrem Partner Seiten, die ihnen unheimlich sind.
Bei jedem ersten
Anzeichen von Mobbing im Beruf ebenso wie in der Liebe
gilt die Regel: Wehret den Anfängen! Wenn Sie bei sich oder
Ihrem Partner Kränkungen, Verletzungen oder Groll spüren,
fragen Sie: Was ärgert dich? Wenn Probleme das erste
oder zweite Mal auftauchen, fällt es noch leicht, darüber
ins Gespräch zu kommen. Äußern Sie keine Vorwürfe,
sondern sagen Sie als Ich-Botschaft was Sie
nervt: Es ärgert mich, wenn ... Schieben Sie
Kränkungen nicht auf die lange Bank. Vereinbaren Sie, dass jeder
sich für die Folgen seines Verhaltens selbst verantwortlich
fühlt statt den anderen für seinen Ärger
verantwortlich zu machen. Wenn Sie denken Ich bin wütend,
weil du ... formulieren Sie den Gedanken so um: Du hast
folgendes Verhalten gezeigt: ... Das ärgert mich. Lass uns über
eine Änderung verhandeln.
Das klingt nicht
romantisch. Aber gerade dann, wenn der Partner Eigenheiten zeigt, die
mich bis zu Weißglut reizen, ist es der einzige Weg, dem
Kreislauf von Groll, Kränkung und noch mehr Groll zu entkommen.
Hat sich Mobbing erst einmal etabliert, hindert oft Stolz daran, den
ersten Schritt zu unternehmen. Und wenn doch, begegnet der andere dem
unerwarteten Entgegenkommen mit Misstrauen. Ist das nicht nur ein
neuer Trick, um mich hereinzulegen? Humorvolle, gelassene Toleranz
für die Schwächen des Partners ist der beste Weg, um auch
nach Jahren noch gegenseitig Respekt und Zuneigung zu bewahren.
Literatur: Wolfgang
Schmidbauer: Mobbing in der Liebe. Gütersloher Verlagshaus,
19,95
Sonja Nufer/Hans
Christian Schrader: Wenn Liebe zum Desaster wird. Mobbing in der Liebe. Eichborn
Verlag, 17,95
Veröffentlicht im Oktober 2007 © by www.berlinx.de
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