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Unsere Serie „Typisch Mann-Typisch Frau": Teil
82
Wie der Sex heiß bleibt
Was tun, wenn das Begehren erlischt?
In den Medien ist Sex allgegenwärtig. Im realen Leben scheint der Sex dagegen auszusterben. Laut Statistiken der Sexforscher haben Männer und Frauen „es“ noch nie so wenig getan wie heute. Gibt es Auswege aus der Lustlosigkeit?
Vergleichen Sie
einmal Spielfilme aus den 1970er Jahren mit denen von heute. Damals
galt Sex als vergnüglich und Zeichen von Lebenslust. Aktuelle
TV- und Kinofilme vermitteln ein anderes Bild:
Sex ist
gefährlich: Betrüger nutzen ihn, um das Vertrauen naiver
Opfer zu gewinnen. Er ist häufig verbunden mit Gewalt und
tödlichen Krankheiten.
Sex geht von
problematischen Personen aus: Unbeherrschte Männer wollen
rücksichtslos ihre Triebe ausleben. Verführerische Frauen
manipulieren Männer, um ihnen mit ihren Reizen Geld und andere
wertvolle Güter abzuschwindeln. Sex wirkt wie eine Drogensucht,
der starke Persönlichkeiten widerstehen.
Sex ist kriminell
oder krankhaft: Sex wird häufig im Zusammenhang mit Missbrauch,
Vergewaltigung, Stalking, Ansteckung oder gefälschten
Potenzmitteln dargestellt. Doch die Zahl krimineller Sexualdelikte
hat seit den 70er Jahren abgenommen. Die Zahl der Sexualmorde sank
innerhalb von zehn Jahren um mehr als ein Drittel. So berechtigt
Warnungen vor AIDS sind: Über den Schutz vor Krankheiten, die
bei uns viel häufiger zum Tode führen von Masern bis
Tuberkulose erfährt die Öffentlichkeit allerdings
weniger.
Dieses
gesellschaftliche Klima ist schuld, dass Sex kein reines Vergnügen
mehr ist. Bei der Frage, was die schönste Nebensache der Welt
ist, erreicht Sex nur noch Platz 3 mit 14 Prozent der Befragten
nach Essen und Trinken (18 Prozent) und Sport (17 Prozent). So die
Zahlen einer neuen Umfrage aus der TV-Zeitschrift Funkuhr (Heft
28/07).
Langjährige
Paare, bei denen die Leidenschaft zurückgeht, gab es auch früher
schon. Doch um 1970 suchten die Paare am häufigsten wegen
Orgasmus- und Erektionsstörungen die Sprechstunden von
Sexualtherapeuten auf. Heute ist Lustlosigkeit der häufigste
Grund. In zahlreichen Büchern geben die Fachleute Ratschläge,
um das Begehren wieder anzufachen oder sich mit der Situation
abzufinden.
Selbstverständlich
kann man auch ohne Sex freundschaftlich zusammenleben. Dann wird aus
dem Liebespaar eine WG zur effektiven Bewältigung des Alltags.
Aber sind sie damit zufrieden?
Eine Minderheit
von Langzeitpaaren schafft es, das Feuer immer neu zu entfachen. Was
ist ihr Erfolgsrezept?
Sex als Hobby.
Lustvolle Paare nehmen ihre Intimität wichtiger als andere
Alltagsfreuden. Sie verfolgen interessiert alles Neue, was darüber
berichtet wird. Sie probieren Neues aus und verhindern so, dass ihre
Motivation mit den Jahren einschläft.
Sex nicht als
Waffe einsetzen. Wer sich über den Partner ärgert,
verweigert körperliche Nähe. Selbst dann, wenn die Abwehr
nicht als Bestrafung gemeint ist, wirkt sie so. Der
andere ist in seinem Stolz gekränkt.
Aus Furcht, erneut einen Korb zu erhalten, wird er sein Begehren nur
noch selten oder gar nicht mehr äußern.
Experimentierfreude
statt Ansprüche auf Perfektion. Viele handeln nach dem
Motto: Entweder er/sie gibt mir genau das, was ich erwarte,
oder ich verzichte lieber. Sehr ungünstig da beide
in der Regel unterschiedliche Wünsche haben. Dann treffen zwei
Kontrahenten aufeinander, die ihre Wünsche mit Macht durchsetzen
wollen. Erfolgspaare gehen ohne Vorbedingungen aufeinander zu. Sie
spielen sich mit wechselseitigem Geben und Nehmen aufeinander ein.
Unterschiede
genießen statt abwehren. Gemeinsame Ansichten bilden das
Fundament einer guten Beziehung. Knisternde Erotik lebt jedoch vom
Anderssein. Ihr Partner will nicht so wie Sie? Reagieren Sie statt
mit Vorwürfen mit Neugier. Lustlosigkeit ist für viele
Paare nämlich ein bequemer Weg, sich vom andern abzugrenzen.
Intime
Gespräche. Das Begehren erlischt, wenn jeder sich im Laufe
des Zusammenlebens in die eigene Innenwelt zurückzieht. Frisch
Verliebte vertrauen einander jeden intimen Gedanken und jedes Gefühl
an. Langzeitpaare besprechen oft nur noch die Alltagsorganisation.
Ihre Sorgen und Freuden teilen sie dagegen lieber der besten Freundin
oder dem besten Freund mit. Fehlt das intime Gespräch, erlischt
auch das Bedürfnis nach körperlicher Intimität.
Unser Buchtipp:
Ulrich
Clement: Guter Sex trotz Liebe. Ullstein Verlag, 18,
Keine
technischen Sextipps, sondern Psychologie des Dauerbegehrens!
Veröffentlicht im September 2007 © by www.berlinx.de
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