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Unsere Serie „Typisch Mann-Typisch Frau": Teil
8
Zicke contra Macho
Schwierige Frauen- und Männertypen und wie man mit Ihnen klar kommt
Wer möchte nicht in jedem Moment gelassen und cool reagieren? Doch wem gelingt es schon immer, Fassung zu bewahren! In der Art und Weise, wie Frauen und Männer sich in Szene setzen, gibt es typische Unterschiede. Bei EGONet erfahren Sie mehr.
Hör auf, rumzuzicken!
Mit deinen Machomanieren kommst du
bei mir nicht durch!
Oft gehört und mindestens ebenso oft
selbst gesagt mit diesen oder ähnlichen Worten. Schon immer
setzten sich Frauen und Männer mit geschlechtstypischen Verhaltensweisen
in Szene. In unserer Zeit, in der die traditionellen Geschlechtsrollen
sich auflösen, sind wir aber besonders sensibel geworden gegenüber
Versuchen, sich mit solchen unlauteren Mitteln in Auseinandersetzungen
einen Vorteil zu verschaffen. Zickiges Verhalten ist eine Form, sich
gegen Anpassungsdruck zu wehren. Machoverhalten zeugt von den Schwierigkeiten,
als Mann ein neues Selbstverständnis zu finden.
Die Münchener Autorin Renate Haen (Das
Zicken-Prinzip, Ullstein-Verlag, DM 14,90) beschreibt typische
Muster von zickigem Verhalten:
Die Opfer-Zicke: Sie leidet ständig
an der Rücksichtslosigkeit und Selbstsucht Ihrer Mitmenschen. Kannst
du heute diesen Bericht noch durchsehen? fragt sie ein Kollege.
Klar, antwortet sie mit müder Stimme, ich muß
sowieso drei Stunden länger bleiben, um alles zu schaffen, da kommt
es auf zwei Stunden mehr auch nicht mehr an. Sie opfert sich auf,
will aber nicht klagen wie sie jedem klagend erzählt.
Das Selbstmitleid verschafft ihr Lustgewinn.
Das Wissen, gebraucht zu werden, gibt ihr das Gefühl, wichtig zu
sein. IhA?r alle Arbeit abzunehmen, hilft gar nichts. Denn dann verschafft
ihr der Mangel an Tätigkeit für andere neue Klagegründe.
Aus der Opferrolle kann sie sich nur selbst befreien durch den
Entschluß, die eigenen Wünsche zu ergründen und rigoros
zu verwirklichen.
Die Star-Zicke: Je mehr Aufmerksamkeit
sie gewinnt, desto besser fühlt sie sich. Ob sie anderen mit ihren
Allüren, ihrem schrägen Outfit und ihren permanenten Sonderwünschen
auf die Nerven geht, ist ihr egal. Hauptsache, sie steht immer im Mittelpunkt
und alles dreht sich um sie.
Sie wird von vielen Männern begehrt,
läßt sich aber auf die Dauer nur von einem Phlegmatiker ertragen,
den nichts aus der Ruhe bringt. Ihre Kolleg(inn)en brauchen viel Humor,
um sich von dem Streß, den sie verbreitet, nicht anstecken zu
lassen.
Die Mecker-Zicke: Sie findet selbst
bei der besten Idee das sprichwörtliche Haar in der Suppe. Ihre
Ansprüche an eine perfekte Arbeit, an gut erzogene Kinder oder
eine ideal Partnerschaft sind so hoch, daß jeder, der versuchen
will, sie zu erfüllen, von vornherein auf verlorenem Posten steht.
Natürlich meinst sie es nur gut, wenn sie auf Risiken und Schwachstellen
aufmerksam macht und ihrer Umgebung die Freude an jeder Art von
Unternehmung vermiest.
Das Schlimmste, was man im Umgang mit ihr
tun kann, ist ihr zu widersprechen. Das löst endlose Diskussionen
aus. Denn sie würde niA?e zugeben, daß sie Unrecht haben könnte.
Fehler machen immer nur die anderen. Besser: sie für ihre Umsicht
loben, das macht sie umgänglich. Und dann fragen, ob man nicht
trotz möglicher Fehler die Unternehmung in Angriff nehmen kann,
ohne zu erwarten, daß alles reibungslos verläuft.
Die Dickkopf-Zicke: Sie ist tagelang
friedlich und umgänglich bis jemand ein Verhalten zeigt
oder einen Anspruch an sie stellt, der Mißbehagen bei ihr auslöst.
Mit ihr zu diskutieren hat keinen Zweck. Wer ihr eine Begründung
für ihr Sich-Quer-Stellen entlocken oder sie mit Argumenten umstimmen
will, redet gegen eine Wand. Entweder man akzeptiert ihr Weigerung ohne
Wenn und Aber oder man muß halt auf ihre Mitwirkung verzichten.
Die einzige Chance: ihre Weigerung hinnehmen,
auf das Vorhaben verzichten oder auf Umwegen verwirklichen. Spürt
sie den Versuch, sie umzuerziehen, reagiert sie ausgesprochen bockig.
Für manche Dickkopf-Zicke ein Grund, aus heiterem Himmel den Partner
zu verlassen oder ihren Job zu kündigen.
Typisch Frau? Vorsicht, meine Herren! Jede
Zicke hat ihr männliches Gegenstück. Das sind sie:
Der Softie: Er versteht die Frauen
vollkommen und faßt sie wenn überhaupt mit
Samthandschuhen an. Was kann er dafür, daß er als Mann geboren
wurde! Er zerfließt in Selbstmitleid. Er ist bereit sich für
5000 JahrA?e Patriarchat zu entschuldigen wenn ihn die Frauen dann
als Neuen Mann akzeptieren könnten. Aber statt dessen hat ihn schon
wieder eine verlassen. Komisch, daß sich Frauen, die von ihren
brutalen Liebhabern enttäuscht wurden, gern bei ihm ausheulen.
Aber den Kerl aufgeben und zu ihm ziehen will keine von ihnen. Wieso
sehen sie nicht, wie gut sie es bei ihm hätten?
Läßt ihn eine Frau zu nahe an
sich heran, klammert er sich fest. Abstand halten! Der Mann muß
erst mal mit sich selbst klar kommen. Mit etwas mehr Selbstbewußtsein
kann er für selbständige Karrierefrauen ein zuverlässiger
Partner werden, der seinen Anteil an Hausarbeit und Kindererziehung
übernimmt.
Der Selbstdarstellungs-Macho. Männer,
die sich gern vor anderen produzieren, sind attraktiv für weibliche
Mauerblümchen, die sein selbstsicheren Auftreten bewundern
und seine egoistischen Launen tolerieren können. Aber Vorsicht!
Solche Männer sind selten treu. Im Job sind sie erfolgreiche Verkäufer
und PR-Manager, aber überall dort, wo es um Sicherheit und Solidität
geht, eine Gefahr.
Wer sich mit ihnen einläßt, braucht
viel Selbstbewußtsein und sollte in jeder Lage auf eigenen Füßen
stehen. Wer es schafft, sie pausenlos zu loben, kann sie sogar zähmen.
Denn für Anerkennung sind sie bereit, auf die Wünsche anderer
einzugehen.
Der Macht-Macho. Er weiß genau,
A? was er will und was für die anderen das beste ist. Kleinigkeiten
bringen ihn auf die Palme, und er hat keine Hemmungen, seine Wut zu
zeigen. Er redet gern von Toleranz bei anderen für seine
Ansichten. Häufig gelingt es ihm, sich durchzusetzen: nicht mit
Hilfe kluger Argumente, sondern weil die anderen um des lieben Friedens
willen nachgeben.
Nur bedingungslose Unterordnung stimmt ihn
friedlich. Selbstbewußte Frauen kann er nur aus der Ferne ertragen.
Doch wenn der Macht-macho merkt, daß die anderen im Begriff sind,
sich von ihm zurückzuziehen, ist er zum Einlenken bereit. Denn
was nützt ihm Macht ohne Mitmenschen, über die er sie ausüben
kann? Nutzen Sie diese Momente des Einlenkens und verhandeln sie knallhart
mit ihm. Das nötigt ihm Respekt ab. Und die meisten Macht-Machos
sind bereit, sich genau an ihre Vereinbarungen zu halten.
Der Pascha. Sie kennen das Klischee:
Er kommt nach Haus, läßt sich in den Sessel fallen und verlangt
nach Zeitung, Bier und Hausschuhen. Der moderne Pascha versteckt seinen
Hang zur Bequemlichkeit und seinen Wunsch, sich bedienen zu lassen,
hinter raffinierteren Ritualen. Der eine sprintet nach kurzer Begrüßung
sofort in seine Garage oder in den Hobbykeller, wo er etwas Wichtiges
zu richten hat. Der Frau bleibt der Haushalt, die Kinder und die Pflicht,
Zeitung und Bier vorbeizubringen. Der andere hat nach Feierabend noch
wichtige Besprechungen mit Kollegen, die reihum als Männerrunde
mal bei jedem der Beteiligten zu Haus stattfinden. Ist seine Wohnung
an der Reihe, darf die Frau vA?ier Kerle statt sonst nur einen mit Bier
und Steaks umsorgen.
Die sicherste Gegenwehr: das Bedienen und
Umsorgen einstellen. Wenn er kein Bier kauft und in den Kühlschrank
stellt, ist eben kein Bier da. Paschas lernen sehr schnell, für
sich zu sorgen, wenn ihnen keine andere Wahl bleibt.
Natürlich gibt es auch die anderen
Frauen und Männer, die weder versuchen, ihre Mitmenschen zu terrorisieren
noch sich von ihnen bemitleiden zu lassen. Sie sind einfach sie selbst,
wissen was sie wollen und handeln nach ihren Überzeugungen. Bei
Konflikten vertreten sie ihre Meinung, lassen sich aber auch von besseren
Argumenten überzeugen und sind kompromißbereit. Sie setzen
sich weniger in Szene als die Zicken und Machos, aber als gute Freundinnen
und Freunde sind sie unschlagbar.
Veröffentlicht im Dezember 2000 © by www.berlinx.de
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