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Unsere Serie „Typisch Mann-Typisch Frau": Teil
65
Schnarchen
Sägen in der Nacht – eine Männerdomäne?
Warum gibt es keine Bäume in der Sahara? Die hat mein Mann alle abgesägt. – Dieser Galgenhumor eines alten Schlagers ist aktuell wie nie. Egonet zeigt, dass das Schlafzimmerproblem immer noch ungelöst ist.
Die erste
Liebesnacht. Selig kuschelt sich Ines an Jürgen. Das neue
Liebespaar sinkt nach glücklicher Umarmung in den verdienten
Schlaf bis auf einmal der rasselnde Lärm einer Kettensäge
aus Jürgens Kehle dringt. Sie rüttelt ihn an der Schulter.
Er brummt im Halbschlaf, dreht sich um und röhrt weiter.
Keine Statistik
verrät, wie viele Paare am selbst gemachten Schlafzimmerlärm
gescheitert sind. Es gibt Bürgerproteste gegen nächtlichen
Fluglärm, Dämmwände gegen den Krach von nahen
Autobahnen und Gesetze gegen Ruhestörungen von Nachbarn nach 22
Uhr. Wer aber schützt vor dem Krach aus dem Nebenbett?
Lauf Erhebungen
der Deutschen Gesellschaft für Schlaffforschung und
Schlafmedizin schnarchen 17 Prozent der Bevölkerung. Drei
Viertel davon sind Männer. Das bedeutet umgerechnet: Jede
zwölfte Frau schnarcht und jeder dritte Mann.
Die Medizin hat
Seuchen eingedämmt und kann Infarktopfer retten vor den
Schnarchern muss sie jedoch kapitulieren. An Arbeitsplätzen sind
mehr als 70 Dezibel verboten. Manche Schnarcher erreichen bis zu 90
Dezibel. Das entspricht einer aufjaulenden Harley Davidson.
Die typische
Rollenverteilung der Geschlechter sieht so aus: Er schnarcht und
schläft selig. Sie kann die halbe Nacht kein Auge zu machen, die
übrige Zeit döst sie erschöpft vor sich hin und
schreckt immer wieder hoch. Bekanntlich sind Frauen stärker
gefährdet, von Medikamenten abhängig zu werden.
Schlafmittel spielen dabei eine zentrale Rolle. Schuld an der
Einstiegsdroge ist in vielen Fällen ein männlicher
Schnarcher. Verzichtet sie auf Tabletten, kann sie Depressionen
bekommen. Die fehlende Erholung senkt auf Dauer den Stimmungspegel.
Das besten Mittel: Flucht auf die Couch im Nebenzimmer.
Warum Männer
häufiger schnarchen, ist nicht genau geklärt. Laut einer
gängigen Theorie entsteht Schnarchen durch Erschlaffung und
Verengung des Rachenraumes. Männer atmen im Schnitt kräftiger.
Dadurch strömt die Luft schneller durch die Verengung und die
erschlafften Teile (wie Gaumensegel, Zäpfchen und Zunge)
vibrieren. Man vermutet zudem, dass bei Frauen Östrogen die
Rachenmuskeln strafft. Das bedeutet aber auch, dass bei ihnen nach
den Wechseljahren die Schnarchquote deutlich ansteigt.
Heute
unterscheiden die Ärzte zwei Schnarchtypen:
Harmloses
Schnarchen. Der Mann schnarcht, aber sonst ist er gesund. Sofern ihn
sein eigenes Sägen nicht stört, ist jede Therapie
überflüssig. Allerdings empfehlen sich getrennte
Schlafzimmer.
Eingeschränkte
Luftzufuhr beim Schnarchen. Jeder weiß, dass bei einem
Schnupfen auch Nichtschnarcher anfangen, nachts durch die Kehle zu
schnorcheln. Am gefährlichsten ist die Apnoe das sind
regelmäßige Atemaussetzer. Das Herz beginnt zu rasen,
weil die Sauerstoffzufuhr ausbleibt. Der Blutdruck steigt und der
Schläfer erwacht kurzzeitig. Ohne es zu merken. Er atmet ein,
schläft weiter und der Zyklus beginnt von vorn. Am nächsten
Tag fühlt er sich unausgeruht obwohl er doch scheinbar
durchgeschlafen hat.
Die Medizin
bietet eine Fülle von Therapien an. Die meisten bieten wenig bis
gar keinen Nutzen. Ein kurzer Überblick:
Bei
Übergewichtigen hilft Abnehmen. Das Übergewicht erzeugt
nicht ihr Schnarchen, verstärkt es aber. Durch die
Fetteinlagerung nimmt auch die Zunge an Volumen zu. Sie verengt die
Atemwege.
Wer mit hängendem
Kinn schläft, schnarcht, weil das Kinn auf die Rachenraum
drückt. In diesem Fall hilft eine Kinnbinde. Sie ist
gewöhnungsbedürftig, ebenso wie eine Atemmaske. Sie hilft
am besten vorausgesetzt, der Schläfer kann sich an das
lästige Utensil gewöhnen. Die Maske saugt Luft an und führt
sie durch die Nase. So entsteht ein Gegendruck zum Atemstrom. Als
Folge bleibt der Rachen geweitet und auch die gefürchteten
Atemaussetzer hören auf. Die Maske hat von allen Methoden die
höchste Erfolgsquote.
Es gibt operative
Methoden. Sie helfen in 50 Prozent der Fälle. Aber wer sein
vibrierendes Zäpfchen entfernen lässt, kann später
Schluckbeschwerden bekommen. Operationen setzen eine aufwendige
Diagnose im Schlaflabor voraus. Das Ganze ist teuer, der Nutzen ist
nicht garantiert, und der Eingriff kann nicht rückgängig
gemacht werden. Gegen Apnoe helfen Operationen nicht.
Besser ist eine
Protusionsschiene. Sie wird in das Gebiss eingesetzt, schiebt den
Unterkiefer nach vorn und erweitert so den Rachenraum. Billige
Modelle sind starr und gibt es in Apotheken. Sie können bei
Dauergebrauch das Gebiss schädigen. Teure Modelle werden
individuell vom Zahnarzt angepasst. Sie können 800 Euro (und
mehr) kosten, sind damit aber immer noch deutlich billiger als eine
Operation.
Veröffentlicht im Februar 2006 © by www.berlinx.de
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