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Unsere Serie „Typisch Mann-Typisch Frau": Teil
63
Lustvoll streiten
Wie Männer und Frauen ihre Konflikte bereinigen
Häufiges Streiten mündet in Trennung, glückliche Paare streiten nie? Vor zehn Jahren hat unser Autor Frank Naumann diese Vorurteil in seinem ersten Buch „Miteinander streiten“ widerlegt. Inzwischen bestätigen zahlreiche neue Studien: Streiten ist gesund. Auf das Wie kommt es an.
Es gibt Paare,
bei denen fällt nie ein böses Wort. Sind sie glücklicher
als andere? Eher im Gegenteil. Denn Konflikte erleben alle. Nur
sprechen sie nicht darüber. Meinungsverschiedenheiten
werden des lieben Friedens willen unter den Teppich gekehrt. Bis es
einer von beiden nicht mehr aushält und ohne Vorankündigung
die Koffer packt meist die Frau.
Der Eheforscher
John Gottman von der Universität Washington fordert Paare auf,
sich in seinem Labor zu streiten. Aus der Art und Weise, wie sie ihre
Konflikte austragen, prognostiziert Gottman, ob die Liebe halten wird
oder nicht. Er wendet dafür eine Fünf-zu-Eins-Formel an:
Auf eine kritische Äußerung müssen fünf positive
Bemerkungen über den andere kommen, damit das Paar eine Chance
hat. Die Trefferquote dieser Vorhersage beträgt 83 Prozent.
Immerhin: 17
Prozent bleiben zusammen trotz häufiger Kritik oder
trennen sich, obwohl sie sich kaum etwas Negatives sagten. Der Anteil
böser Worte ist ein wichtiger Faktor, aber nicht der einzige.
Entscheidend ist, ob Männer und Frauen eher einen destruktiven
oder einen konstruktiven Streitstil pflegen.
Die
unterschiedlichen Gesprächsstile von Männern und Frauen
erschweren die Verständigung zusätzlich. Sie heult,
schmollt, reagiert impulsiv und emotional, nörgelt, ist
beleidigt und nachtragend. Er gibt ironisch dumme Sprüche von
sich, mauert oder verfällt in Schweigen. Der Grund: Frauen sind
stärker emotional beteiligt und fühlen sich persönlich
angegriffen. Männer grenzen sich stärker ab, was Frauen als
Missachtung erleben. Diesen Geschlechtsunterschied fand die Pädagogin
Erika Butzmann bei einer Befragung von 160 Männer und 240 Frauen
(veröffentlich in der Zeitschrift Familiendynamik,
Heft 10/2003).
Wenn Sie Ihre
eigene Partnerschaft auf ihre Zukunftsfähigkeit überprüfen
wollen, beantworten Sie folgende Fragen:
Streitziel
Kämpfen
Sie bei einem Streit darum, Recht zu behalten, also das Wortgefecht
zu gewinnen?
Suchen Sie
hinter dem Gegensatz nach der gemeinsamen Basis und suchen nach
einer einvernehmlichen Lösung?
Streitrichtung
Streiten
Sie, wer in der Vergangenheit für welchen Fehler verantwortlich
war?
Streiten Sie
ausschließlich darüber, wie man es in Zukunft besser
machen kann?
Beachten Sie den Geschlechtsunterschied?
(Männer
kämpfen gern um die Rechtfertigung eines bestimmten Verhaltens.
Frauen fühlen sich eher als Person, in ihrer Wertschätzung
angegriffen.)
Beharren Sie
darauf, dass Sie die Dinge richtig sehen und Ihr Partner Einsicht
zeigen soll?
Zeigen Sie
Verständnis dafür, dass die Sicht Ihres Partners ebenso
berechtigt ist wie Ihre?
Streitstil
Streiten Sie
mit Spott, trumpfen Sie auf? Reden Sie grundsätzlich und halten
Sie Ihre Meinung für eine allgemeingültige Norm (Wer
anständig ist, tut so etwas nicht)
Verzichten
Sie auf Ironie und lassen Sie den Partner ausreden? Sprechen Sie
vorrangig über Ihre Befindlichkeit und über den Einzelfall
im Ich-Stil (Ich mache mir sorgen, weil ...) ?
Partnerorientierung
Sagen Sie im
Streit häufig immer und nie (Nie
hilfst du immer, immer muss ich alles allein machen)? Haben
Sie Angst, dass Ihre Rechte zu kurz kommen, kämpfen Sie um mehr
Macht?
Versuchen
Sie Ihren Partner zu verstehen, hören Sie geduldig zu, billigen
Sie ihm das Recht auf eigene Bedürfnisse zu, die von Ihren
abweichen?
Streitausgang
Gehen Sie
nach dem Streit einander längere Zeit mit gekränkter Miene
aus dem Weg?
Einigen Sie
sich und versöhnen sich sofort nach dem Streit?
Falls für
Sie hauptsächlich die Antwortvariante 2 zutrifft
Glückwunsch! Sie streiten konstruktiv. Ihre Chancen auf eine
gemeinsame Zukunft stehen gut. Streiten Sie eher nach Antwortvariante
1? Dann verfallen Sie leicht in destruktive Muster, die Ihre
Beziehung allmählich aushöhlen werden. Wenn Sie das nächste
Mal mit dem Partner in den Clinch geraten, unterbrechen Sie das
negative Ritual. Stellen Sie sich (und ihm/ihr) folgende Fragen
und beantworten Sie sie gemeinsam:
Moment!
Worüber streiten wir eigentlich? Worin besteht unsere
Meinungsverschiedenheit?
Ich möchte
gern ... Was möchtest du?
Welches
Verhalten stört mich (dich)?
Was können
wir in Zukunft anders machen, so dass wir beide zufrieden sind?
Finden wir
eine andere Lösung als bisher?
Woran werden
wir prüfen, ob unsere Vereinbarung im Alltag funktioniert?
Mehr
Informationen zu diesem Thema (25 Seiten) gibt unser Autor im 5.
Kapitel von:
Frank
Naumann: Die 10 Geheimnisse ewiger Liebe. Krüger Verlag 2003.
Veröffentlicht im Dezember 2005 © by www.berlinx.de
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