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Unsere Serie „Typisch Mann-Typisch Frau": Teil
56
Sind Männer klug und Frauen raffiniert?
Intelligenzunterschiede der Geschlechter
Nichts erhitzt die Gemüter beim Kampf der Geschlechter so sehr wie die Behauptung, Männer wären intelligenter als Frauen. Dabei wissen die Forscher gar nicht genau, was das ist - Intelligenz. Frauen haben nicht mehr oder weniger Fähigkeiten, sondern andere.
Jahrhunderte lang hieß
es: Männer sind intelligenter, denn sie haben das größere
Gehirn. Und zwischen Hirngröße und Intelligenz besteht ein
positiver Zusammenhang. Doch Frauen besitzen genauso viel
Hirnsubstanz. Bei ihnen sind die Zellen dichter gepackt. Der
Weltrekord beim Intelligenzquotienten wird von einer Frau gehalten.
Die Amerikanerin Marilyn von Savant erzielte im Test 228 Punkte.
Neue Untersuchungen
beweisen, dass für die Intelligenz ohnehin nur ein kleiner Teil
des Gehirns verantwortlich ist. Und da zeigt sich ein erheblicher
Geschlechtsunterschied:
Bei Männern ist
die Intelligenz in nur sechs Prozent der grauen Hirnsubstanz
verborgen. Sie ist bei ihnen um sieben Mal aktiver als bei Frauen.
Das fanden kürzlich Richard Haier und seine Kollegen von der
Universität von Kalifornien heraus. Daher ihre besondere Stärke
bei der lokalen Signalverarbeitung. Männer können isolierte
Detailprobleme besser lösen, zum Beispiel in der Mathematik.
Weibliche Intelligenz
befindet sich vor allem in der weißen Substanz, in den
Nervenfortsätzen. Diese Hirnbereiche sind bei ihnen zehn Mal
aktiver als bei Männern. Frauen denken daher integrativer. Sie
können an viele Dinge gleichzeitig denken und vergessen nicht,
bei sachlichen Problemen auch die menschliche Seite mit in Betracht
zu ziehen.
Bei einem Test zeigte
sich der Unterschied zwischen männlich = punktuell und weiblich
= ganzheitlich: In einem Spiel durften die Gewinner die Verlierer mit
einem unangenehmen Ton über Kopfhörer bestrafen. Männer
straften mit einem kurzen, aber lauten Ton. Frauen dagegen mit einem
normalen, aber unangenehm langem Geräusch. Das entspricht der
Alltagserfahrung: Männer brüllen lauter, Frauen nörgeln
länger.
Wegen dieser
Veranlagung sind Männer oft bei abstrakten und räumlichen
Aufgaben besser, Frauen bei emotionalen und sprachlichen Problemen.
Die Geschlechtshormone beeinflussen die Leistung. Morgens ist der
Testosteronspiegel am höchsten. Zu dieser Zeit ist auch das
Orientierungsvermögen Spitze. Frauen dagegen haben ihr Hoch
während der Menstruation.
Doch der größte
Unterschied zwischen Männern und Frauen findet sich nicht bei
der einzelnen Person, sondern in der Intelligenzverteilung.
Spitzenkönner und Debile sind größtenteils Männer.
Bei Frauen überwiegen die Durchschnittsbegabungen. Auch dafür
gibt es einen biologischen Grund. Horst Hameiste von der Uni Ulm fand
heraus, dass auf dem X-Chromosom dreimal mehr Gene liegen, die für
Intelligenz verantwortlich sind, als auf den übrigen Erbanlagen.
Frauen haben zwei
X-Chromosomen, Männer nur eins. Das zweite X-Chromosom kann bei
Frauen ererbte Extreme ausgleichen – sei es nun Hochintelligenz
oder Minderbegabung. Männer, die ein X- und ein Y-Chromosom
haben, müssen mit dem auskommen, was auf ihrem einen X-Chromosom
liegt. Wenn sie Glück haben, ist es eine Superbegabung. Haben
sie Pech, sind sie auf lebenslange Betreuung angewiesen.
Die Umwelt kann die
angeborenen Begabungen verändern, aber nur bei gezielter
Einflussnahme. Meist jedoch reagieren Eltern und Lehrer spontan
positiv oder negativ – je nachdem, ob das Kind ein helles
Köpfchen oder sich begriffsstutzig zeigt. Das heißt, die
Umgebung verstärkt geringste erbliche Unterschiede.
Weil Frauen sich in den
letzten Jahren häufiger für eine berufliche Karriere
entscheiden, sind viele Unterschiede kleiner geworden. Doch manchmal
sind es ganz banale Dinge, die männliche und weibliche
Intelligenzunterschiede einebnen. Kalifornische Wissenschaftler
entdeckten, dass Nikotin die Hirnmuster von Frauen denen der Männern
angleicht. Aufgaben, die emotional aufwühlen, sprechen Frauen
normalerweise stärker an. Unter Nikotin sinkt der Pegel auf
männliches Niveau ab. Darin könnte ein Grund liegen, warum
es Frauen schwerer fällt, sich das Rauchen abzugewöhnen und
Nikotinpflaster bei ihnen weniger wirksam sind. Sie möchten auf
die Gefühlsberuhigung unter Nikotin nicht verzichten.
Frauen werden auch in
Zukunft lieber eine Karriere als Journalistin, Dolmetscherin oder
Künstlerin machen. Männer dagegen überwiegen bei
Ingenieuren und Naturwissenschaften. Warum auch nicht – jeder
studiert das Fach, in dem seine Stärken liegen. Vor hundert
Jahren entstanden daraus große soziale Unterschiede. Forscher
besaßen ein hohes Prestige als Wohltäter der Menschheit,
während Künstler als verdächtige, unmoralische,
verkrachte Existenzen galten. Heute haben sich die Verhältnisse
beinahe umgekehrt. Models und TV-Stars werden beneidet – wer
dagegen in die Forschung geht, muss sich gegen den Verdacht
verteidigen, die Umwelt und das Erbgut des Menschen zu zerstören.
Veröffentlicht im April 2005 © by www.berlinx.de
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