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Unsere Serie „Typisch Mann-Typisch Frau": Teil
49
Romantik oder Action
Warum Männer lieber härtere Filme sehen als Frauen
Frauen mögen Liebesfilme mit Herz und Schmerz, Männer bevorzugen rasante Stunts und Kämpfe auf Leben und Tod. Jetzt haben Forscher die Ursache herausgefunden.
Zank vor dem Fernseher. Sie möchte die x-te Wiederholung von „Pretty Woman“
sehen, er besteht auf seiner Krimiserie, in der jede Woche nach dem gleichen
Muster die Guten nach heftigem Schusswechsel die Bösen zur Strecke bringen.
Die Frage „Was gucken wir heute?“ gehört zu den häufigsten Streitanlässen.
Die Ursache: Männer und Frauen lieben nicht die gleiche Art von Geschichten.
Viele Paare lösen den Konflikt, in dem sie sich einen zweiten Fernseher anschaffen.
Wenn jeder seinen Lieblingsfilm schaut, verbringen sie die Abende getrennt.
Doch damit endet der Unterschied nicht. Sie liest gern Bücher mit anrührenden
oder amüsanten Liebesgeschichten. Er sitzt lieber am Computer, ballert im
Actionspiel virtuelle Gegner nieder, oder surft im Internet durch die Erotikseiten.
Er bevorzugt ein AC/DC-Konzert, sie Robbie Williams. Samstag geht sie lieber
in die Oper, er auf den Fußballplatz. Er sucht Aufregung, sie große Emotionen.
Lange Zeit galt die Erziehung zu den Geschlechterrollen als Ursache. Sie
folgt dem Vorbild er Mutter, er orientiert sich am Vater, und alle zusammen
folgen den Werten der Gesellschaft: Risiko und Kampf für ihn, Beziehungen
und Gespräche für sie. Eine Forschergruppe der Universität von Michigan entschloss
sich, systematisch nach den Ursachen zu suchen. Sie teilten ihre Versuchspersonen
in drei Gruppen ein und setzten sie vor Kinoleinwände. Eine Gruppe verfolgte
eine romantische Liebe zwischen einer einsamen Farmersfrau (Meryl Streep)
und einem Fotografen (Clint Eastwood) in dem Film „Die Brücken am Fluss“.
Die zweite Gruppe sah Mafiakämpfe in „Der Pate II“, die dritte einen nüchternen
Dokumentarfilm über den Regenwald am Amazonas. Bei allen drei Gruppen maßen
die Forscher vor und nach dem Film die Hormone.
Während des Liebesfilm stieg bei den Zuschauern die Menge des Hormons Progesteron
an – und zwar bei Frauen und Männern. Progesteron ist das Gelbkörperhormon.
Es bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Schwangerschaft vor
und die weibliche Brust auf die Milchbildung. Da aber auch Männer bekanntlich
über kleinere Mengen weiblicher Hormone verfügen, kann man auch bei ihnen
den körperlichen Zusammenhang von Liebesgefühlen und Vorbereitung auf Nachwuchs
finden. Der Gleichklang der Hormone vertieft die emotionale Bindung von Frau
und Mann.
Ganz anders der Actionfilm. Hier reagierten Männer und Frauen völlig verschieden.
Bei den Männern wuchs die aggressive Stimmung und sank das Zärtlichkeitsbedürfnis
– erkennbar an dem Anstieg ihres Testosterons um 30 Prozent. Dieser Anstieg
fiel am deutlichsten bei den Männern aus, die schon vor dem Film hohe Testosteronmengen
aufwiesen. Bei den Frauen dagegen ging die Menge männlicher Hormone zurück.
Offenbar fühlten sie sich eher bedroht und abgestoßen.
Der Dokumentarfilm bot übrigens keine Überraschung. Die Hormonspiegel beider
Geschlechter blieben unverändert.
Diese Studie wirft ein neues Licht auf das Einfühlungsvermögen in die Empfindungen
des jeweils anderen Geschlechts. Männer sind durchaus für romantische Gefühle
empfänglich. Zärtlichkeit und Bindung ist auch für sie etwas Positives. Dagegen
fällt es den meisten Frauen schwer, an Zerstörung und Brutalität etwas Erregendes
zu sehen. Sie verfolgen vielleicht mit Spannung, wer am Ende gewinnen wird.
Die blutigen Details finden sie jedoch eher abstoßend.
Denken Sie also beim nächsten Streit ums Fernsehprogramm an den Unterschied.
Wenn Sie sich beide für den Liebesfilm entscheiden, schlagen Ihre Herzen im
gleichen Takt. Er wird danach sanfter gestimmt sein als vorher. Bei sehr viel
Gefühl und vorhersehbarer Handlung könnte er sich jedoch langweilen.
Entscheiden Sie sich beide für den Actionfilm, gewinnt er an Selbstbewusstsein.
Sie dagegen bleibt innerlich unbeteiligt. Wenn er auf keinen Fall auf Gangster
und Kanonen verzichten will, bietet ihr der Zweitfernseher einen Ausweg. Auf
jeden Fall sollten beide wissen, dass sie keine vollkommene Übereinstimmung
der Gefühle erreichen werden. Es ist wie überall: Die Verschiedenheit ist
reizvoll, aber auch eine Quelle von Missverständnissen.
September 2004 © by www.berlinx.de
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