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Unsere Serie „Typisch Mann-Typisch Frau": Teil 10

 

Mimose trifft Rambo
Die Gefühlswelten von Frauen und Männern

Sie will über die Beziehung reden, er bastelt lieber an seinem Auto herum. Was ist dran am Klischee vom gefühlsunfähigen Mann? Unser heutiger Beitrag zeigt Ihnen, daß Gefühle durchaus nicht nur Frauendomäne sind. Aber im Umgang mit den Emotionen unterscheiden sich die Geschlechter grundlegend.

Sie sieht ein Problem. Er nicht. Sie will darüber reden. Er nicht. Im ersten Ehejahr beklagen 30 Prozent der Frauen seine Schweigsamkeit, wenn es um Empfindungen geht, im vierten Ehejahr sind es bereits 60 Prozent. Hat er denn keine Gefühle?

Oh doch, er hat. Auch Männer sind verletzlich, leicht zu kränken, kennen Ängste und Glücksmomente. Aber sie suchen nicht unbedingt das Gespräch darüber. Wie die Forscher seit einigen Jahren beweisen können, sind Gefühls- und Sprachzentrum im weiblichen Gehirn direkt miteinander verbunden, beim männlichen nicht. Kernspintomographien der kanadischen Forscherin Sandra Witleson brachten an den Tag, daß Männer ihre aus dem Stamm- und Kleinhirn kommenden Gefühle nur teilweise in der rechten Hirnhälfte verarbeiten. Die linke Hirnhälfte, die eintreffende Informationen mit Sprache und Verstand kombiniert, ist nicht beteiligt. Bei Frauen arbeiten dagegen beide Hirnhälften bei den Gefühlen zusammen und ermöglichen es ihnen, Gefühle bewußt zu machen und zu kommunizieren. Die unterschiedliche Erziehung, die bei Mädchen zwischenmenschliche Sensibilität, bei Jungs dagegen eine Einzelkämpfermentalität fördert, verstärkt diesen Unterschied (Einzelheiten in unserem Beitrag in der vorigen Ausgabe).


Die meisten Frauen kennen die Folgen aus eigener Erfahrung. Männer denken noch, daß es in ihrer Beziehung keine Probleme gäbe, wenn ihre Partnerin schon mit ihrer besten Freundin ihre Trennungspläne bespricht. Tatsächlich gehen heutzutage 80 Prozent aller Trennungen von den Frauen aus. Eine Umfrage unter Männern, womit sie zur Zeit Problem hätten, nannte Beziehungsprobleme erst auf Platz 17. Weiter oben in der Prioritätenliste rangierten Sorgen mit dem ausbleibenden Karrieresprung, nicht funktionierende Computerprogramme und die Niederlage der Lieblingsmannschaft beim letzten Sonntagsspiel.

Kein Wunder, daß Bücher über das Wesen des Mannes (ebenso wie Bücher über das Wesen der Frau) fast ausschließlich von Frauen gelesen werden.

Mangelnde männliche Sensibilität? Das glauben nicht nur viele Frauen (und Männer), sondern auch zahlreiche Sachbuchautorinnen und Männerexpertinnen. Ihre Ratschläge, wie frau mit dem Mann umgehen soll, sind allerdings sehr verschieden. Die amerikanische Autorinnen Cheryl Benard und Edit Schlaffer empfahlen in ihrem Bestseller „Laßt endlich die Männer in Ruhe“ (deutsche Ausgabe bei Rowohlt 1990), auf jeden Versuch, bei Männern Verständnis und Einfühlung zu erreichen, zu verzichten und lieber sich selbst mehr zu lieben und zu verwöhnen. Andere sind mit Erziehungstips bei der Hand, um den Mann zur Mitarbeit am eigenen Beziehungsproblem zu bewegen.

Eine französische Studie empfiehlt folgende vier Regeln:

  1. Den Mann an Erfolgserlebnisse erinnern und dann erst über seine Gefühle reden. Er wird so gesprächsbereiter.

  2. Ihm die Angst vor ausufernden Diskussionen nehmen durch Zeitbegrenzung („Können wir zehn Minuten über ... reden?“)

  3. Ihm um Rat fragen – so fühlt er sich nicht schuldig wegen Unsensibilität, sondern als Experte gefragt.

  4. Ihm Komplimente machen, wie gut er sich einzufühlen bemüht.

Jede Leserin, die solche Regeln bei ihrem Partner anwenden möchte, sei gewarnt: der Mann merkt in aller Regel sehr bald, daß sie versucht, ihn zu manipulieren und zu erziehen – mit dem Ergebnis, daß er sich noch mehr abschottet.

Betrachten wir deshalb das männliche und weibliche Gefühlsleben im Vergleich und fragen uns, ob die Verschiedenheit nicht auch ihr Gutes hat.

Ein weitverbreitetes Vorurteil lautet: „Sie lebt allein aus dem Bauch heraus – er ist ein gefühlskalter Kopfmensch.“ Ein Fehlurteil, daß aus Verhaltensunterschieden falsche Schlüsse über die verborgenen seelischen Vorgänge ableitet. Psychologische Studien zeigen: Männer haben ein ähnlich starkes emotionales Empfinden wie Frauen. Die Unterschiede liegen vielmehr im Ausdruck der Gefühle.

  • Männer drücken aktiv-aggressive Gefühle offen aus, an denen Frauen eher im Stillen leiden: Zorn, Wut, Verletzung des Ehrgefühls und ähnliches.

  • Bei eher nach innen gerichteten Gefühlen wie Ängsten, Freude oder Trauer ist es umgekehrt. Hier fällt es den Frauen leichter, ihre Empfindungen zu zeigen.

Die Ursache liegt in den anerzogenen Rollenerwartungen. Männer sollen stark, aggressiv und unerschütterlich sein, Frauen und Mädchen dagegen sensibel, ängstlich und einfühlsam.

Ein zweites kommt hinzu: Heranwachsende Männer werden auf Leistung und Konkurrenz programmiert, Frauen dagegen auf soziale Kompetenz. Dem entspricht das Gefühlsleben der Geschlechter. Männer drücken Gefühle vor allem durch Handlungen aus, Frauen eher durch Gespräche. Dafür ein typisches Beispiel:

Frauen klagen immer wieder, wie schwer es Männern fällt, „Ich liebe dich“ zu sagen. Sie glauben deshalb oft, daß seine Zuneigung nur oberflächlich sei – und wundern sich dann unter Umständen, daß er nach der Trennung mehr leidet als sie. Die Gründe, warum Männer vor diesen drei Wörtern zurückschrecken, liegen nicht in mangelnder Zuneigung.

Männer zeigen ihre Wertschätzung lieber durch Taten: daß sie ihren Tagesablauf an die Gewohnheiten ihrer Liebsten anpassen, ihr Outfit bewundern (oder ihr eine neue Bluse kaufen), Blumen mitbringen, sie zum Essen ausführen, ihr eine Reise schenken und ihre Neigung unterdrücken, nach anderen Frauen Ausschau zu halten. Für Frauen sind solche Taten noch kein Liebesbeweis, sondern bestenfalls Schritte auf dem Weg zum Ziel. Erst das „Ich liebe dich“ oder gar der Heiratsantrag stellen für sie ein klares Bekenntnis dar.

Männer wiederum mißtrauen den Worten. Sie denken: Jeder kann „Ich liebe dich“ sagen, ohne daß er es wirklich meint. Wenn ich dagegen eine Reise zu ihrem Traumziel organisiere, muß ich wirklich etwas leisten. In der Tat sind Männer, denen das „Ich liebe dich“ leicht von den Lippen geht, oft Hobby-Casanovas, die wissen, daß sie mit entschiedenen Worten den Eindruck ernsthafter Absichten vermitteln.

Der „normale“ Mann ist dagegen vorsichtig mit verbalen Liebeserklärungen. Im Beruf ist er gewohnt, Worte vor allem dort einzusetzen, wo Verträge zu schließen, also verbindliche Abmachungen zu treffen sind. Auf die man ihn später juristisch festnageln kann. Deswegen ist ein „Ich liebe dich“ für ihn eine Festlegung auf die Zukunft. Zumindest aber eine Zusicherung lang anhaltender Treue. Und er weiß meist aus früheren Affären, daß Gefühle leider oft nicht beständig sind. Weder bei ihm noch bei den Frauen. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen.

Wollen Sie also wissen, wie es mit der Zuneigung steht:

  • Achten Sie als Mann darauf, ob sie mit Ihnen über ihre Gefühle spricht oder sie seit einiger Zeit lieber für sich behält.

  • Als Frau: Zählen Sie nicht, wie oft er „Ich liebe dich“ sagt. Prüfen Sie vielmehr, ob er sich durch seine Handlungen unmißverständlich auf Sie festlegt.

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Veröffentlicht im Januar 2001 © by www.berlinx.de

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