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philosophische Streifzüge
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Unsere Serie „Philosophische Streifzüge”: Teil 27

Mein wahres Ich
Erkenne dich selbst – eine Kurz­anleitung

Sein eigenes Wesen zu erkennen, ist für viele der Grund, sich mit Philo­sophie zu beschäf­tigen. Doch wie finde ich von den g­elehrten Schriften zum Kern meines inner­sten Selbst?

Wer sich genau kennt, findet seine verbor­genen Stärken und vergeudet weder Zeit und noch Kraft mit Irrwegen. Zugänge zum eigenen Ich gibt es viele:

  • Sie können Ihre Gedanken und Gefühle verfolgen. Doch welche davon sind echt und wann mache ich mir etwas vor? Schon die absichtliche Selbstbeobachtung verändert, worüber ich nachdenke.
  • Sie können Freunde fragen, wie sie Sie einschätzen. Aber sie erzählen Ihnen vielleicht nur, was Sie gern hören wollen.
  • Sie können einen Persönlichkeitstest machen. Ihr Charakterprofil zu kennen, kann nicht schaden. Doch verrät es Ihnen, was Sie im Innersten bewegt?
  • Sie können sich bei einem Analytiker auf die Couch legen, Ärzte und Soziologen befragen. Sie erfahren bei ihnen etwas über Ihre Kindheitsmuster, über Ihre Gesundheit und das Milieu, das Sie geprägt hat. Doch all das sind bestenfalls äußerliche Teilaspekte dessen, was Sie beeinflusst.

Philosophie bietet einen anderen Weg an. Ihre Methode ist die Selbstbefragung. Schreiben Sie Ihre Antworten auf folgende Fragen auf – Stichpunkte genügen:

Was begeistert mich? Wofür brennt Ihr inneres Feuer? Was wollten Sie immer schon erreichen? Welche Träume hegen Sie? Wie lange schon? Seit der Kindheit? Oder seit einem Umbruch in Ihrem Erwachsenendasein? Welche früheren Träume haben Sie umgesetzt, auf welche verzichtet, welche träumen Sie weiterhin? Welche kamen neu hinzu? Was sind die Gründe, warum Sie sich bestimmte Sehnsüchte nie erfüllt haben?

Was macht mich stolz? Das Nachdenken über das innerste Ich beginnt meist, weil man einen Mangel spürt. Etwas fehlt im Leben, etwas muss sich ändern. Wechseln Sie die Perspektive! Überlegen Sie, was Ihnen gelungen ist im Leben. Stolz auf eigene Leistungen ist die Quelle eines starken Selbstbewusstseins. Es gibt Ihnen die Kraft, die Dinge zu verbessern, mit denen Sie nicht zufrieden sind.

Worüber bin ich glücklich? Sind es große, außergewöhnliche Glücksfälle? Oder eher die kleinen Momente? Ist es Geld, gutes Essen, frisch verliebt sein, die Gesellschaft langjähriger Freunde, Zustimmung und Anerkennung finden? Zu wissen, was Sie glücklich macht, hilft Ihnen, die Lebensziele zu finden, die zu Ihnen passen.

Liebe ich? Wen oder was nehmen Sie wichtiger als Ihre momentane Bequemlichkeit? Für wen würden Sie alles stehen und liegen lassen? Die Antwort auf diese Frage verrät Ihnen Ihre Prioritäten. Eine kritische Selbstbefragung könnte so aussehen: Ist Ihnen die/der Liebste das Wichtigste im Leben, warum verschanzen Sie sich dann hinter Ihrer Arbeit? Warum verschieben Sie Erholung und Hobbys auf später, um sich erst mal der Karriere zu widmen? Sind das nicht Anzeichen, dass Status und beruflicher Erfolg Ihnen wichtiger sind als Liebe, Muße und Genuss?

Was ängstigt mich? Kaum jemand redet gern über seine Befürchtungen, denn sie offenbaren unsere Schwachstellen. Viele von uns gestehen sie sich nicht einmal vor sich selbst ein. Doch nur wer genau weiß, welche Verluste er fürchtet, kann sich wappnen. Wen oder was möchten Sie auf keinen Fall verlieren? Wofür würden Sie alles andere aufgeben, um es, ihn oder sie in Ihrem Leben zu halten? Welche Ängste hindern Sie zu tun, was Sie im Innerstern gern tun möchten?

Wofür bin ich dankbar? Was nehmen Sie als selbstverständlich hin, was andere entbehren müssen? Registrieren Sie einen Tag lang alle Kleinigkeiten, die man Ihnen hätte auch verweigern können. Jede Geste der Höflichkeit, jede Rücksicht­nahme, jeden Stein, den man Ihnen nicht in den Weg legt. An wie viele davon hatten Sie zuvor nie mit Dankbarkeit gedacht? Die Antwort verrät Ihnen etwas über den Grad Ihrer Selbst­bezogenheit und Ihrer Offenheit für Ihre Mitwelt.

Welche Hindernisse stehen meiner Entfaltung im Wege? Was hindert Sie, Ihr Leben zu ändern? Wenn Sie in Alltags­routine gefangen sind, sind es Rücksicht­nahmen auf Erwartungen wichtiger Mitmenschen, aber auch Bequemlichkeit – genannt der „innere Schweinehund“. Die Antwort auf diese Frage zeigt, wie ernst Sie Ihre eigenen Wünsche nehmen. Sich die Hindernisse bewusst machen, ist der erste Schritt, Ideen zu ihrer Überwindung zu finden.

Haben Sie Ihre Antworten auf diese sieben Fragen notiert? Kehren Sie nach einigen Tagen noch einmal zu Ihren Notizen zurück. Über welche Fragen haben Sie inzwischen weiter nachgedacht? An welchen Stellen möchten Sie Ihre Notizen ergänzen? Dort liegen die Probleme, die Ihnen auf den Nägeln brennen.

Selbsterkenntnis ist nie abgeschlossen. Einige Vorschläge, wie Sie Ihr Nachdenken über sich vertiefen können:

  • Überlegen Sie, wie Ihre Freunde diese Fragen an Ihrer Stelle beantworten würden. Der Vergleich mit anderen lässt präziser hervortreten, was Sie auszeichnet.
  • Lesen Sie in Biographien nach, wie andere vor Ihnen die gleichen Probleme bewältigt haben. Was finden Sie nachahmenswert, was nicht?
  • Lesen Sie philosophische Lebens­maximen nach. Welche könnten Sie übernehmen, welche lehnen Sie ab, welche treffen für Sie einfach nicht zu? Tipps dazu finden Sie in den übrigen Artikeln unserer Philosophiereihe.

Zu Selbsterkenntnis aus psychologischer Sicht lesen Sie bei uns:
Selbsterkenntnis Wie bin ich wirklich?

veröffentlicht im Januar 2011 © by www.berlinx.de

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