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Ratschläge erteilen
Wie bringe ich es ihm bei?

Ihr bester Freund rui­niert gerade seine Gesund­heit oder ist dabei, bei seinem Chef ins Fett­näpfchen zu treten. Sie sehen die Gefahr. Wie teilen Sie es ihm schonend mit, ohne ihn zu kränken?

Marie hat sich enge Jeans gekauft. Sie sieht darin aus wie eine Press­wurst. Ihre Kolle­ginnen tuscheln, aber Marie scheint es nicht zu bemerken. Sie zieht die Dinger jeden Tag an. Sie als ihre beste Freundin würden ihr gern einen hilf­reichen Wink geben. Aber Sie wissen auch, dass Marie auf alle Äußerungen, die ihr Aussehen betreffen, empfindlich reagiert.

Sie könnten natürlich schweigen. Aber Sie würden sich ewig Vorwürfe machen, dass Sie nicht eingegriffen haben, bevor Marie ihren Ruf in der Firma ruinierte. Sie würden sich Ihre Feigheit nicht verzeihen. Die erste Regel lautet also: Das Problem ansprechen. Selbst wenn Ihre Freundin keine Einsicht zeigt – Sie helfen damit zumindest sich selbst. Wer schweigt, macht sich zum Komplizen eines Fehlverhaltens. Angehörige von Süchtigen, die hilflos zuschauen, nennt man sogar „co-abhängig“. Um nicht in diese Falle zu geraten, sollten Sie sich distanzieren. Das gelingt, indem Sie Ihre andere Sicht zur Sprache bringen.

Wenn Sie ungebeten Ratschläge erteilen, wirken Sie damit nicht besserwisserisch? Es besteht ein Risiko, durch ehrliche Worte die Beziehung aufs Spiel zu setzen. Wir alle hassen es, wenn unsere Bekannten uns Sätze an den Kopf werfen wie:
– Willst du nicht endlich das Rauchen aufgeben?
– Du solltest mehr Obst und Gemüse essen.
– Du hast Speckringe angesetzt. Du solltest mich beim Joggen begleiten.

Wir empfinden fremde Ratschläge als Machtspiel. Der andere gibt sich überlegen. Er glaubt besser zu wissen als ich, was richtig ist für mich. Gutgemeinte Fürsorge wirkt wie Kritik: „Du genügst meinen Ansprüchen nicht. Bessere dich!“

Um diese Falle zu vermeiden, formulieren Sie Ihre Ratschläge als Ihre Sorge um den anderen:

Ich- statt Du-Sätze. Statt „Du solltest weniger rauchen“ sagen Sie „Ich mache mir Sorgen“ oder auch „Mich stört dein Rauch“. Sagen Sie, was Sie empfinden. Überlassen Sie ihm, daraus seine eigenen Schlussfolgerungen für sein Verhalten zu ziehen.

Trennen Sie Beobachtung und Bewertung. „In der neuen Jeans siehst du aus wie eine Presswurst. Deine Kolleginnen grinsen schon.“ Eine solche Kritik kränkt, weil Sie Ihre Beobachtung (zu enge Hose) mit einem Werturteil (lächerlich wirken) verquickt haben. Sagen Sie zunächst nur, was Sie beobachten: „Deine Jeans sitzt sehr eng. Der Bund drückt in deinen Bauch.“ Warten Sie ab, was Ihre Freundin dazu sagt. Vielleicht hat sie genau das beabsichtigt. Dann können Sie ihr in Ruhe erklären, warum Sie selbst Ihre Hosen eine Nummer größer kaufen.

Erlaubnis einholen. Erteilen Sie nur erbetene Ratschläge. Nachdem Sie in Ich-Form Ihre Sorge mitgeteilt haben, warten Sie zunächst ab, wie Ihre Freundin reagiert. In einer guten Freundschaft nimmt sie Ihre Sorgen ernst und wird zumindest versuchen, Ihre Sorgen zu zerstreuen. In diesem Fall dürfen Sie fragen: „Darf ich dir in dieser Sache einen Rat erteilen?“ Oder: „Möchtest du wissen, was ich in so einem Fall tun würde?“

Geschichten erzählen. Eine indirekte Methode besteht darin, den Ratschlag in eine Geschichte zu kleiden. „Ich hatte an der Schule eine Freundin, deren ältere Schwester stand vor einem ähnlichen Problem. Sie hat es folgendermaßen gelöst: ...“

Zeit zum Überlegen geben. Verlangen Sie nicht, dass Ihre Freundin sofort ihr Verhalten ändert. Das Umdenken benötigt Zeit. Wenn sie sich tatsächlich in Ihrem Sinne ändert, verzichtet Sie auf jede Art Triumph: „Endlich hast du eingesehen, dass ich Recht hatte“. Dass Freunde einander nützen und nicht schaden, sollte selbstverständlich sein.

veröffentlicht im Februar 2011 © by www.berlinx.de

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