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K.-o.-Tropfen
Märchen oder reale Gefahr?

Gerüchte, wie Menschen zu willen­losen Opfern wurden, gibt es viele. Besonders in der Karne­vals­zeit. Doch funk­tionieren die angeb­lichen Rezepte wirklich? Wie groß ist die Gefahr, selbst einmal herein­zu­fallen?

In feuchtfröhlicher Runde ein, zwei Cocktails – und plötzlich Filmriss! Am nächsten Morgen das schreckliche Erwachen. Geld weg, Kreditkarte weg und keine Erinnerung. Nur der Schädel brummt. Dass Hypnose nur funktioniert, wenn das „Opfer“ bereitwillig mitmacht, hat sich herumgesprochen. Doch was ist mit der chemischen Keule, den sogenannten K.-o.-Tropfen?

Sie sind nicht nur eine Erfindung cleverer Krimiautoren. Allerdings handelt es sich um eine Sammelbezeichnung. Dahinter verbergen sich verschiedene Substanzen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie vorübergehend das Bewusstsein ausschalten. Meist beeinträchtigen sie vor allem das Langzeitgedächtnis. Manche  – wie Alkohol – ändern auch die Gefühle, schalten vorübergehend Vorsicht und Misstrauen aus.

Als K.-o.-Tropfen werden eingesetzt:

  • Benzodiazepine. Meist verbergen sich hinter der Bezeichnung „K.-o.-Tropfen“ Schlaf- und Beruhigungsmittel, die für die Zeit ihrer Wirkung das Gedächtnis löschen. Die Opfer werden einfach eingeschläfert und dann beraubt. Wenn sie aufwachen, erinnern sie sich an nichts.
  • Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB). Das ist ein Narkosemittel, das schnell Bewusstlosigkeit hervorruft. Ersatzweise kann auch Gamma-Butyrolacton zur Anwendung kommen. Hierbei handelt es sich eigentlich um ein Lösungsmittel. Doch im Magen wandelt es unser Organismus in das vorher genannte Narkosemittel GHB um.

In der Praxis kommen diese echten „K.-o.-Tropfen“ jedoch seltener vor, als man nach den Gerüchten glauben sollte. Oft ist die Beschuldigung „K.-o.-Tropfen“ nämlich eine Ausrede, um verspätetes Nachhausekommen von der Disko zu entschuldigen. Oder um die Reue über eigenes Verhalten zu bemänteln. Meist handelt es sich nur um eine Überdosis normalen Alkohols. Alle Fälle von Filmriss zusammengenommen, ist der Teufel Alkohol zu 99 Prozent die alleinige Ursache.

Wer echte K.-o.-Tropfen verabreichen will, steht vor einer Reihe von Problemen. Es ist gar nicht so einfach, sie in einer vollen Kneipe unbemerkt in einen fremden Drink zu schütten. Doch die wirklichen Schwierigkeiten beginnen erst danach. Wie schafft man das betäubte Opfer aus der Bar, ohne dass es jemandem auffällt? Ohne dass sich Zeugen später genau erinnern? Selbst wenn 20 Personen die Story von der plötzlichen Schwäche glauben – der 21. wird garantiert misstrauisch.

Die Fälle, in denen der Verlust einer Brieftasche zur Anzeige gelangt, haben deshalb auch fast immer besondere Begleitumstände. Etwa ein anrüchiges Etablissement im Rotlichtviertel, wo der Inhaber mit den Tätern unter einer Decke steckte. Oder „kundige Führer“, die leichtgläubige Touristen aus der Öffentlichkeit weglockten.

Wer mit dem Gedanken spielt, Schlaf- oder Narkosemittel einzusetzen, um jemandem eins auszuwischen, sollte auch bedenken: Diese Mittel sind gefährlich. Sie haben Nebenwirkungen. Wenn das Opfer ohnehin schon regelmäßig Medikamente nimmt, können Wechselwirkungen zum Tode führen. Aus grobem Unfug wird dann eine fahrlässige Tötung.

Falls Sie gern ausgehen und fürchten, selbst Opfer einer K.-o.-Tropfen-Attacke zu werden, beachten Sie folgende Vorsichtsmaßnahmen:

  • Gehen Sie möglichst nur mit vertrauenswürdigen Freunden aus und haben Sie ein Auge aufeinander.
  • Behalten Sie Ihre Getränke (und die Ihrer Freunde) im Blick.
  • Wenn Sie sich ein Getränk spendieren lassen – nehmen Sie es nur direkt vom Barkeeper entgegen.
  • Bei plötzlicher Müdigkeitsattacke informieren Sie sofort Ihre Freunde – wenn Sie allein unterwegs sind, den Barkeeper.
  • Haben Sie den Verdacht, Opfer einer K.-o.-Tropfen-Attacke geworden zu sein, kümmern Sie sich sofort nach dem Erwachen um eine Blut- oder Urinprobe. Nur so erhalten Sie Gewissheit und haben eine Chance, den Tätern die Tat nachzuweisen.

veröffentlicht im Februar 2010 © by www.berlinx.de

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