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Der Matthäus-Effekt
Warum Erfolg noch erfolgreicher macht

Wieso schreiten die einen von Sieg und zu Sieg? Warum mühen andere sich ver­geblich, ohne je die Früchte ihrer Anstren­gungen zu ernten? Die Antwort finden Sie in der Bibel!

Die Welt ist ungerecht. Beispiele dafür kennt jeder:

  • Reiche bekommen Steuer­erleich­terungen und billigere Kredite.
  • Die Schönste erobert nicht nur den Lieblings­schwarm aller Mädchen, sondern kann auch noch alle anderen Jungs um ihren Finger wickeln.
  • Wer einen guten Job hat, bekommt jede Menge weiterer Angebote. Wer keinen hat, bekommt auf seine Bewerbungen nur Absagen.

Im Matthäus-Evangelium (Kapitel 25, Vers 29) lesen wir: „Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.“ Gegensätze gleichen sich also nicht aus. Sondern die Unterschiede nehmen zu.

Der Soziologe Robert K. Merton prägte dafür den Namen „Matthäus-Effekt“. Vorteile und Nachteile wirken wie selbst erfüllende Prophezeiungen. Wenn jemand einen begehrten Job inne hat, „prophezeien“ die Personalchefs der Konkurrenz: „Der Typ muss gut sein, sonst hätte er ihn nicht bekommen.“ Daher versuchen sie ihn abzuwerben. Mit den vielen Angeboten erwirbt er sich den Ruf, eine heiß umworbene Spitzenkraft zu sein. Das stärkt sein Selbstvertrauen. Mit den Jahren erlangt er außerdem Berufserfahrung und wichtige Kontakte. Bis er tatsächlich besser ist als seine erfolgloseren Mitbewerber von einst.

Das gleiche gilt im Negativen. Wer keinen Fuß in die Tür kriegt, entwickelt sich nach Jahren zum echten Außenseiter. Nicht nur er selbst bleibt im Abseits. Auch seine Kinder haben schlechtere Startbedingungen. Das zeigten in letzter Zeit zahlreiche Studien zu Bildungs­chancen bei Arm und Reich.

Gegen die Ungerechtigkeit zu protestieren, hilft nicht viel. Der Matthäus-Effekt wirkt wie ein Naturgesetz. Wenn Sie sich benachteiligt fühlen – versuchen Sie lieber, seine positiven Seiten für sich zu nutzen:

Sie sind nicht schuld! Wenn Sie es nicht soweit gebracht haben wie Ihr Kollege – grämen Sie sich nicht länger. Er verdankt seinen Vorsprung einigen glücklichen Chancen, die Ihnen entgangen sind. Lohnt es wirklich, ihn unter Stress und mit Überstunden überholen zu wollen?

Lassen Sie sich fördern. Im Namen der Chancengleichheit existieren viele Förder­programme. Seien Sie nicht zu stolz, sie in Anspruch zu nehmen. Sie dienen dazu, Ihre unverschuldeten Nachteile auszugleichen. Informieren Sie sich und stellen Sie Anträge. Seien Sie nicht zu stolz, jeden Vorteil zu nutzen. Andere tun es auch.

Nutzen Sie, was Sie haben. Trauern Sie nicht um das, was Sie nicht haben. Träumen Sie nicht von Unerreichbarem. Streben Sie nach Glücksgütern, die in Ihrer Reichweite liegen. Überlegen Sie sich Ziele, die für Sie realistisch sind, und nehmen Sie sie Schritt für Schritt in Angriff. Unterwegs werden sich Ihnen neue Chancen eröffnen.

Erkennen Sie Ihre Vorteile. Wir Menschen beneiden Glückskinder und beklagen, dass wir nie das große Los gezogen haben. Wechseln Sie den Blickwinkel! Welche Vorteile haben Sie, die das Glückskind nicht hat? Ihnen blieb die Karriere versagt, dafür aber haben Sie Zeit für Hobbys und Familie. Sie wären gern ein Popstar? Würden Sie auch Tourneestress, Lampenfieber, vernichtende Kritiken und die Angst ertragen, dass Ihr nächster Song ein Flop wird? Nur zum Spaß im Freundeskreis zu singen, kann viel entspannender sein.

Setzen Sie auf Ihre Stärken. Dieter Bohlen kann nicht singen und seine Kompositionen glänzen nicht gerade von Einfallsreichtum. Aber er hat ein Gefühl für den Massengeschmack und versteht es immer wieder, Aufmerksamkeit zu erregen. Darauf hat er eine Erfolgskarriere aufgebaut. Ein anderer hätte vielleicht über Jahre Gesangsunterricht genommen und Komposition studiert. Dann wäre er heute wohl unbekannt und keinesfalls Millionär. Talent ist nicht der einzige Weg zum Erfolg.

Unser Buchtipp:
Malcolm Gladwell: Überflieger. Warum manche Menschen erfolgreich sind und andere nicht. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2009, € 19,90

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veröffentlicht im Oktober 2009 © by www.berlinx.de

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