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Das Stehauf­männchen-Prinzip
Clever durch die Krise

Der Auf­schwung ist vorbei, Pessi­mismus macht sich breit. Sind die guten Tagen nun für alle Zeit vorbei? Keines­wegs. Mau­sern Sie sich mit Ego­net zum Krisen­gewinner!

Viele träumen in jungen Jahren von einem Leben als Super­star. Wenn nicht im Show­geschäft, so zumin­dest in einem Karriere­beruf, in der Liebe oder beim Ansam­meln vom Reich­tümern. Bis es dass erste Mal schief geht. Bis man die erste große Krise durchlebt. Dann erhält die Psyche einen „Knacks“. Solche Erfahrungen schildert Roger Willemsen in seinem neuesten Buch.

In der Krise scheiden sich die Geister:

  1. Die einen jammern „Man hat uns betrogen.“ Eigene Schuld? Keine.
  2. Die anderen ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück: „Ab heute traue ich keinem mehr.“ Risikoscheu berauben sie sich künftiger Glückschancen.
  3. Die dritten sagen schließlich: „Krise? Beste Chancen für einen Neuanfang.“

Die dritte Gruppe ist die kleinste und die klügste. Nie waren die Chancen so groß. Weil die Mehrheit glaubt, dass nun alles zu Ende ist, geht keiner mehr ein Wagnis ein. Wer jetzt Mut zeigt, hat kaum Konkurrenz zu fürchten. Im Gegenteil, die anderen verhalten sich still, hoffen aber auf jemanden, der ihnen einen Ausweg zeigt.

Jede Krise ist zyklisch. Der Kreislauf von Auf- und Abschwung verläuft in vier Phasen:

Aufschwung. Infolge neuer Entdeckungen und Erfindungen beginnt eine Blütezeit. Preise und Löhne steigen, neue Unternehmen schießen wie Pilze aus dem Boden. Der Wohlstand wächst und mit ihm die Zuversicht.

Rezession. Sobald auch der letzte auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist, kippt die Stimmung um. Die Märkte sind gesättigt. Die Preise fangen an zu fallen. Die Unternehmen machen mehr Verluste als Gewinne, Der Abschwung beginnt. Die Zukunft erscheint trübe.

Depression. Die negative Tendenz treibt die Entwicklung nicht nur bis zum ursprünglichen Ausgangsniveau zurück, sondern weiter, tief ins Minus. Selbst Verkäufer, die ihre Waren so billig anbieten, dass sie Verluste machen, werden sie kaum los. Die Arbeitslosigkeit und die Unternehmenspleiten erreichen Rekordniveau.

Erholung. In dem Moment, wo alle Welt einen völligen Zusammenbruch befürchtet, setzt eine Wiederbelebung ein. Auch in schlechten Zeiten müssen die Leute essen, sich kleiden und ihre Miete bezahlen. Dieser Mindestkonsum hält die Wirtschaft am Laufen. Bei diesem Niveau hört der Abwärtstrend auf. Einige Unentwegte wittern Morgenluft und strecken ihre Fühler aus. Und es funktioniert. Allmählich kehrt die Gesellschaft zum Ausgangsniveau zurück, von dem aus ein neuer Aufschwung starten kann.

Nicht nur die Wirtschaft, auch Ehekrisen, Krankheiten, ja sogar das subjektive Wohlbefinden folgen diesem Rhythmus. Finden Sie die Aufzählung dieser vier Phasen banal? Erstaunlicherweise verstoßen die meisten dagegen. In der Krisenpanik verkaufen zum Beispiel auch Fachleute ihre Aktien mit starken Verlusten. Die Zahl der Verkäufer überwiegt – sonst würden die Kurse nicht fallen. Nur wenige Käufer nutzen die günstigen Kurse. Sie wissen, in spätestens zwei Jahren sieht die Lage anders aus. Dann werden sich die Verkäufer ärgern, dass sie die günstigen Preise verpasst haben.

Der Herdentrieb ist mächtiger als die Vernunft. In der tiefsten Krise mag kaum jemand glauben, dass sich das Blatt wieder wenden wird. Und doch ist das bis jetzt jedes Mal geschehen – seit Jahrhunderten. Dem Druck der öffentlichen Meinung zu widerstehen fällt schwer. Und doch ist es vernünftig. Geldanlagen bei isländischen Banken sind in den Medien hoch gefeiert worden. Wer ihnen nicht glaubte, behielt Recht. Also glauben Sie bitte ebenso wenig, wenn Sie heute von der schlimmsten Krise aller Zeiten reden. Und uns jahrelanges Elend vorhersagen.

Mit folgenden Regeln wappnen Sie sich:

Dem Herdentrieb widerstehen. Halten Sie nach den ersten zaghaften Anzeichen für den Gegentrend Ausschau.

Vorbereitet sein. Wonach werden die Menschen am sehnsüchtigsten rufen, wenn die Krise ihren tiefsten Punkt erreicht hat? Wenn alle glauben, es gehe nie wieder aufwärts? Entwickeln Sie dafür rechtzeitig originelle Ideen.

Aus vergangenen Krisen lernen. Wie gingen frühere Krise vorbei? Was löste den Aufschwung aus? Der nächste Umschwung wird in ähnlicher Weise verlaufen.

Verfolgen Sie bis dahin eine Minimalstrategie. Es gibt Erfahrungen, wie man gut durch Krisen kommt. Folgende Empfehlungen haben sich bewährt: Halten Sie Ihren Aktionsradius klein. Besinnen Sie sich auf wesentliche Dinge des Lebens. Pflegen Sie gerade jetzt Ihre sozialen Kontakte und unterstützen Sie sich gegenseitig, mit den Krisenfolgen fertig zu werden. Gönnen Sie sich eine Auszeit, um sich zu erholen und Abstand zu gewinnen.

Veröffentlicht im November 2008 © by www.berlinx.de

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