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Aha-Erlebnis
Der Weg zu einer über­ra­schen­den Ein­sicht

Lange ge­grübelt – und plötz­lich die er­lösen­de Er­kenntnis, wie das Pro­blem zu be­wäl­tigen ist! Gibt es einen Weg, diese sel­tenen Glücks­mo­mente ab­sicht­lich her­bei­zu­führen?

Der alt­grie­chische Ge­lehrte Ar­chi­medes dachte selbst beim ent­span­nenden Bad über Pro­bleme nach. Als er sich an sein Ein­tauchen in das Wasser er­innerte, er­kannte er plötz­lich: Die Auf­triebs­kraft meines Kör­pers ist ge­nauso groß, wie das Gewicht des Wassers, das mein Körper beim Ein­tauchen verdrängt hat! Be­geistert über diese plötz­liche Er­kenntnis, sprang er aus dem Bad und rannte nackt auf die Straße, laut Heureka! rufend (deutsch: „Ich hab’s gefunden!").

Niemand weiß, ob sich die Geschichte wirklich so abgespielt hat. Der römische Schriftsteller Plutarch hat sie so überliefert. Auf jeden Fall gehört sie zu den beliebtesten Anekdoten der Weltgeschichte. Denn sie erzählt ein Erleben, das wir alle kennen: Tagelanges, fruchtloses Nachdenken – und dann die glückliche Einsicht in weniger als einer Sekunde.

Obwohl das Aha-Erlebnis zu den ältesten Erfahrungen der Menschheit gehört, blieb es bis in die Gegenwart ein weißer Fleck auf der Landkarte der Wissenschaft. Forscher aus Wien sind ihm jedoch kürzlich auf die Spur gekommen. Messungen des Hirnstroms mit Hilfe eines EEG ergaben, dass sich im Kopf eine Erkenntnis in vier Stufen herausbildet:

  1. Beim Versuch, ein Problem zu lösen, gerät das Denken in eine Sackgasse. Weder das Gedächtnis noch vertraute Denkstrategien liefern Wege zu einer Lösung. Das Bewusstsein investiert daher mehr Kraft in das Problem. Ohne Ergebnis. Im Hinterkopf erzeugt das Gehirn Wellen von hoher Frequenz, die starke Konzentration und hohe Aufmerksamkeit anzeigen.
  2. Nach fruchtloser Kraftanstrengung zieht sich das Denken aus der Sackgasse zurück. Der Grübler hat eingesehen, dass er so nicht weiterkommt. Das Gehirn beginnt nun zu experimentieren. Es ordnet seine Informationen anders als bisher. Es verwendet auch Daten, die „eigentlich“ nicht zur Sache gehören. Es wählt andere Denkmethoden aus. Dieses Experimentieren kann bewusst geschehen. Dann probiert der Denker alternative Möglichkeiten zielgerichtet durch. Oder unbewusst – man überlässt sich der spielerischen Phantasie.
  3. Durch das erweiterte Nachdenken gewinnt das Bewusstsein eine tiefere Einsicht in das Problem. Es berücksichtigt ungewohnte Erkenntnisse. Eine neuartige Bewertung des Problems wird möglich. Jenseits eingefahrener Bahnen und Vorurteile. Je weiter der Denkrahmen gesteckt wurde, desto größer die Chance, eine geeignete Lösung zu finden.
  4. Die erlösende Einsicht ist da. Ob wir dabei den glücksbringenden „Aha-Effekt“ empfinden, hängt von Stufe zwei ab. Nur wenn das Gehirn unbewusst – mit entspannter, spielerischer Phantasie – neue Bahnen einschlug, erleben wir das Ergebnis am Ende als plötzliche, beglückende Erlösung. Wer bewusst und systematisch neue Denkwege ausprobierte, kann durchaus das gleiche Denkergebnis erreichen. Aber das freudige Aha-Gefühl bleibt ihm versagt.

Wegen dieses emotionalen Kicks ist die Intuition so beliebt. Und zugleich so geheimnis­umwittert:

Das Aha-Erlebnis ist zum einen mit starken, positiven Gefühlen verbunden. Wir genießen den unerwarteten Erfolg eigener Denkanstrengungen.

Zum anderen ist die Überraschung groß, da wir nicht begreifen, wie wir die Lösung gefunden haben. Sie bricht unerwartet über uns herein. Da das Gehirn unbewusst weiter arbeitete, ist dem Bewusstsein der Weg zum Erfolg verborgen geblieben.

Clevere Denker nutzen beide Strategien. Sie probieren systematisch neue Wege aus und nutzen dafür Kreativitätstechniken. Bleibt der Erfolg aus, gehen sie innerlich auf Abstand. Statt weiter zu grübeln, tun sie etwas völlig anderes. Sie gehen spazieren, nehmen ein Bad wie Archimedes, musizieren, joggen, feiern mit Freunden – und warten ab.

Manchmal stellt sich nach einigen Tagen ein Aha-Erlebnis ein. Manchmal auch nicht. Dann kehren sie zur ersten Strategie zurück. Sie denken wieder systematisch über alternative Wege nach – diesmal mit dem Abstand von einigen Tagen. Bringt das wieder nichts, schalten sie zum zweiten Mal auf kreative Entspannung um. Philosophen und Künstler sind durchaus gewöhnt, manche Probleme über Monate und Jahre zu verfolgen, immer im Wechsel von bewussten und unbewussten Phasen des Nachdenkens.

Mehr Infos zu diesem Themengebiet liefert unser Autor in seinem Buch:
Frank Naumann. Mentale Fitness. Die 6 Pfeiler der geistigen Vitalität. Ullstein Taschenbuch, € 7,95

Lesen Sie bei uns auch:
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Veröffentlicht im April 2008 © by www.berlinx.de

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