Schon die Bibel verrät
das Geheimnis: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Anders ausgedrückt: Wenn du dich nicht selbst liebst,
wirst du auch Schwierigkeiten haben, deine Mitmenschen zu
lieben. Denn ein schwaches, ungeliebtes Ego kommt in den
rauhen Sitten der Wettbewerbsgesellschaft schnell unter
die Räder. Wer jedoch sich selbst hätschelt und
pflegt, kann sich auch um seine Mitmenschen kümmern.
Trotzdem gilt immer noch Selbstlosigkeit, die sich für
andere aufopfert ohne Rücksicht auf das eigene Wohlergehen,
als moralisch edel. Instinktiv wissen wir freilich, daß
dies falsch ist. Denn wir suchen die Nähe von Menschen,
die über eine außergewöhnliche Ausstrahlung
verfügen. Und das sind durch die Bank Personen, die
sich selbst mögen und kein Geheimnis daraus machen,
wie toll sie sich finden.
Als Kleinkind waren wir uns selbst der Mittelpunkt unseres
Universums. Meine Naschereien, meine Neugier, mein Spielzeug
- alles war mein oder sollte meines sein. Mit Mühe
gewöhnten die Eltern uns an, daß wir ihre Aufmerksamkeiten
mit anderen Menschen zu teilen hatten. Ob die kindliche
Selbstliebe dabei unter die Räder kam oder zu erwachsener
Selbstachtung reifte, hing von zwei Faktoren ab:
- Stärke des kindlichen Temperaments: Kinder, die
mit einem ausgeglichenen, robusten Nervenkostüm geboren
wurden, haben es leichter. Sie rebellieren gegen unterdrückende,
herabsetzende Erziehung und suchen zur Not von sich aus
aktiv nach Anerkennung außerhalb der Familie.
- Erziehung: Eltern, die ihre Kinder viel kritisieren
und wenig loben, vermitteln ihnen das Gefühl, daß
sie schlechter als andere Kinder sind. Das beeinträchtigt
die Selbstliebe nachhaltig. Aber auch die Rückmeldungen
der Lehrer, Mitschüler, Geschwister und anderer Verwandter
haben einen Einfluß.
Als Erwachsene können wir zwar unseren Wert realistischer
einschätzen. Aber die Prägungen der Kindheit sind
so stark, daß wir uns oft minderwertig fühlen,
wo der Verstand sagt, daß wir unsere Sache gar nicht
so schlecht gemacht haben. Dann kommt es zu den oft beschworenen
Konflikten zwischen Herz und Verstand.
Doch was soll ich tun? Dauernd sagen "Ich bin toll!" ?
Sich ein besseres Selbstwertgefühl suggerieren, kann
durchaus ein Anfang sein. Um sich aber von Opfer- und Versager-Denken
auf Erfolgspersönlichkeit umzupolen, braucht es Veränderungen
im Verhalten. Und das ist gar nicht so schwer. Sie steigern
innerhalb weniger Wochen fühlbar Ihre Selbstliebe,
wenn Sie sich selbst gegenüber so handeln, wie Sie
jeder andern Person gegenüber handeln würden,
für die Sie plötzlich in Liebe entbrennen.
Selbstlob und -verzeihung. Klopfen Sie sich anerkennend
auf die Schulter für jede Kleinigkeit, die Ihnen gelingt.
Fangen Sie an mit der Tatsache, daß Sie morgens pünktlich
aus dem Bett finden. Loben Sie sich für das gelungene
Frühstück, für den rechtzeitig erreichten
Bus, für Ihre adrett sitzende Kleidung, für die
freundliche Begrüßung Ihrer Kollegen ... Für
Erfolge außer der Reihe gönnen Sie sich eine
kleine Extra-Belohnung. Wenn ihnen etwas mißlingt,
verzeihen Sie sich und beschließen, großzügig
darüber hinweg zu sehen: "Beim nächsten Mal mache
ich es besser." - Halten Sie diesen neuen Stil der Selbstbewertung
über längere Zeit durch und alte Gewohnheiten,
Ihre guten Leistungen zu bagatellisieren und Mißlungenes
zu "Ich habe versagt" aufzubauschen, verschwinden.
Großer Auftritt. Haben Sie bisher versucht, möglichst
unauffällig durch den Alltag zu gleiten? Bloß
keine große Klappe, bloß keine extravagante
Kleidung, bloß nicht auffallen! Wenn Sie bisher einen
angepaßten Mauerblümchenstil in Outfit und Auftreten
pflegten, müssen Sie sich nicht wundern, daß
Sie von Ihren Mitmenschen viel zu oft übersehen wurden
und andere, weniger Tüchtige Ihnen die Rosinen wegschnappten.
Nehmen Sie sich vor, von nun an jede Woche einen Schritt
mutiger zu werden. Beginnen Sie damit, ein freches Accessoire
zu tragen, egal, ob andere es protzig oder geschmacklos
finden könnten. Achten Sie auf gerade Körperhaltung
und Blickkontakt. Ob beim Sitzen oder im Stehen - Suchen
Sie in Zukunft immer einen Platz in der Mitte des Raumes.
Angriffe, Neid und Kritik parieren. Je auffälliger
Sie sich benehmen, desto mehr müssen Sie mit Angriffen
derer rechnen, in deren Revier Sie eindringen. Stecken Sie
nicht zurück! Von allen geliebt werden heißt
allen gleichgültig sein. An Personen mit Ausstrahlung
und Persönlichkeit scheiden sich die Geister. Wenn
Sie lernen, begeistert von sich zu sein, werden Sie einige
Personen mit diesem Gefühl anstecken. Andere dagegen
werden Sie bekämpfen. Wer sich selbst liebt, nimmt
Kritik und Neid als Zeichen seines Erfolges. Sie haben Einfluß,
deswegen werden Sie angegriffen. Stellen Sie die Angreifer
mit ruhigen Worten zur Rede. "Ich habe den Eindruck, du
hast Einwände gegen mein Verhalten. Was stört
dich?" Hören Sie sich die Gründe an, aber rechtfertigen
Sie sich nicht. Sie haben das Recht so zu sein wie Sie sind.
Danken Sie lediglich für die Kritik und versprechen
Sie, darüber nachzudenken. Viele Neider kapitulieren
vor so viel Souveränität.
Stärken entfalten. Welches sind Ihre Träume und
Talente? Wenn Sie bisher vor allem für Ihre Pflichten
lebten und Ihre Neigungen aus Zeit- oder Geldmangel vernachlässigten:
Riskieren Sie es, sich von ungeliebten Pflichten zu verabschieden
und mehr Zeit für die Verwirklichung Ihrer Träume
freizumachen. Anfangs werden Sie auf Kritik Ihrer Mitmenschen
stoßen, die es nun nicht mehr schaffen, ungeliebte
Tätigkeiten auf Ihren Schultern abzuladen. Später
wandelt sich dieses Gefühl in Respekt für Ihre
Fähigkeit, nach Ihren Überzeugungen zu leben und
glücklich zu sein.
Unsere
Buchempfehlung zum Thema:
Sei
Dein bester Freund. Wegweiser zur Selbstliebe.
von Ulrike Dahm, Erich Keller
---> Artikel als Druckversion
im *.rtf- Format downloaden <---