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Schicksalsschläge

Umgang mit persönlichen Katastrophen

Ausgabe November 2002 /5. Jahrgang

 

Wenn schon nicht immerzu Glück und Sonnenschein, so wünschen wir uns doch wenigstens ein stilles Dahingleiten im Lebensstrom, ohne jähe Einbrüche. Wenn wir von fremdem Unglück hören: wer beglückwünscht sich da nicht im Stillen, dass der Kelch an ihm vorüberging? Was aber, wenn plötzlich mich ein Unglück ereilt?

 

Der gesamte Verdauungsapparat des Menschen ist von mehr als 100 Millionen Nervenzellen umgeben. Das ist freilich nur 1 Prozent dessen, was unsere zentrale Schaltstelle, das Gehirn, zu bieten hat. Aber für die Randgebiete unseres Nervensystems stellt das eine ungewöhnlich hohe Konzentration an Neuronen dar. Und was noch wichtiger ist: US-Wissenschaftler entdeckten erst vor einigen Jahren, daß diese Nervenzellen zusammenarbeiten. Sie bilden ein eigenes System der Informationsverarbeitung. Sie analysieren Signale aus der Verdauung und leiten die Ergebnisse zentral an den Kopf weiter. Wir haben es in der Tat mit einer zweiten, kleineren Schaltzentrale unseres Körpers zu tun.


Kein Wunder, daß unser Bauch besonders sensibel auf Kummer und Stress reagiert. Jede seelische Belastung stört das empfindliche Zusammenspiel von Kopf- und Bauchgehirn. Signale werden verfälscht oder gelangen nur bruchstückhaft an ihren Bestimmungsort. Reizmagen, Völlegefühl und Durchfall sind nur einige der Symptome.


Magengeschwüre sind allerdings keine reine Nervensache. Schuld ist in der Mehrzahl der Fälle das Bakterium Helicobakter pylori, das sich in der Schleimhaut ansiedelt und Stoffe ausscheidet, die die Produktion von Magensäure verstärken. Mit der Zeit zerfrißt das Zuviel an Säure die Magenwände. Antibiotika beseitigen den Störenfried.


Ob das Bakterium zum Zug gelangt – dafür spielt das Bauchhirn eine wichtige Rolle. Ist es geschwächt, hat der Eindringling bessere Karten. Schlechte Stimmung und Nervosität schwächen die Abwehr und lassen die Verdauung verrückt spielen. Dafür sind nicht allein die Nervenzellen verantwortlich. Wo Nerven arbeiten, sind Neurotransmitter – Hormone, die den chemischen Informationsaustausch zwischen Gehirn und Körper regeln – nicht weit. Michael Gershon, Mediziner aus New York, fand heraus, daß das meiste Serotonin in den Unterleib fließt und dort die Verdauung regelt. Serotonin ist ein Nervenbotenstoff, der die Stimmung stabilisiert. Ein Mangel an Serotonin löst schlechte Laune aus, die Person ist labiler und anfällig für Depressionen.


Aber der Mechanismus wirkt auch anders herum. Schwer verdauliches Essen beeinträchtigt die Leistung der Nerven, während magenfreundliche Nahrung die Intelligenz fördert. Das bewies erst kürzlich eine Studie der Cardiff University. Andrew Smith und seine Kollegen haben Freiwillige vier Wochen lang morgens ballaststoff- und früchtereiches Müsli essen lassen und verglichen die Entwicklung ihrer Hirnleistungen mit einer Kontrollgruppe, die ein gewöhnliches Frühstück bekamen. Das Ergebnis: schon nach einer Woche hatten die Müsliesser ein stärkeres geistiges Leistungsvermögen, depressive Stimmungen gingen zurück, und sie litten zu 10 Prozent weniger an Ermüdungserscheinungen als die „Normalfrühstücker“.


Damit wurde zum erstenmal wissenschaftlich ein direkter Zusammenhang zwischen Kopf- und Bauchleistung nachgewiesen. Wenn Sie das nächste Mal aus dem Bauch heraus entscheiden wollen – achten Sie darauf, was Sie vorher essen.

 

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