In früheren Zeiten pflegten die Reichen ihre vornehme
Blässe und gingen nie ohne Sonnenschirm außer Haus. Braun waren
die Armen, Bauernmädchen und Dienstmägde, die einen großen
Teil des Tages ungeschützt im Freien arbeiten mußten. Mit der
Rückbesinnung auf natürliche Lebensformen gewann bei den Wohlhabenden
die Lust an der Sonne allmählich Oberhand. Mitte bis Ende des 19.
Jahrhunderts traf man sich in teuren Kurorten und ließ sich von
der Sonne bescheinen, während die Arbeiter bis zu 16 Stunden am Tag
in dunklen Fabrikhallen schufteten.
Der Massentourismus streckte zwischen beiden
Weltkriegen vorsichtig seine Fühler aus, doch erst nach 1945 konnte
sich die Mehrheit einen Sommerurlaub leisten. Anfangs lobten die Ärzte
ausschließlich die Segnungen von Wasser und Licht. Und obwohl
heute in Medienberichten die Warnungen vorherrschen: auch heute bringt
das Sonnenlicht im Großen und Ganzen mehr Nutzen als Schaden.
Was die Sonne auf die Erde strahlt, besteht
zu knapp 52 Prozent auf sichtbarem Licht und zu 44 Prozent aus Wärmestrahlung.
Beides aktiviert den Organismus Kreislauf, Hormone und Stoffwechsel
arbeiten besser, die Immunabwehr wird gestärkt und über das
Vitamin D wird unter Lichteinwirkung mehr Kalzium in die Knochen eingelagert.
Für gesunde Knochensubstanz ist ein gewisses Minimum an Sonnenlicht
sogar lebensnotwendig. Dieses Minimum ist allerdings mit zehn Minuten
täglichem Aufenthalt im Freien bei bedecktem Himmel und normal
bedeckter Haut (Gesicht und Hände frei) bereits erreicht.
Wie bei vielen Arzneien kommt es auf die
Dosis an. Der Körper besitzt einen eigenen Schutzmechanismus vor
zuviel Licht die Hautbräunung. Die Farbpigmente der Haut
reagieren auf das ultraviolette Licht das ist Licht mit einer
kürzeren Wellenlänge und einer höheren Frequenz als das
sichtbare Licht. Sein Anteil an den Sonnenstrahlen, die die Erde erreichen,
beträgt etwas über 4 Prozent. Ist die Dosis aber zu stark,
reicht der natürliche Eigenschutz der Haut nicht mehr aus
und dann wird es gefährlich. Kurzfristig gibt es schmerzhafte Sonnenbrände,
langfristig drohen Allergien (Mallorca-Akne, Fachbegriff: Lichtdermatose),
vorzeitige Hautalterung (Falten, Altersflecken) und Hautkrebs. In den
letzten Jahren ist bei uns die Hautkrebsrate um acht Prozent gestiegen.
Bei der ultraviolette Strahlung unterscheiden
die Mediziner zwei Anteile. Sonnenbrand wird durch UV-B-Licht ausgelöst.
Gefährlicher ist aber die langfristige Wirkung des UV-A-Lichtes.
Es dringt unbemerkt in die tieferen Hautschichten ein, sorgt dort zunächst
für anhaltende Tiefenbräunung, dann aber auch für Austrocknung
(Folge: Hautalterung) und Krebsbildung. Moderne Sonnenschutzmittel,
die sogenannte Breitbandfilter enthalten, schützen vor beiden Strahlenbereichen
(frühere Mittel schützten fast nur vor UV-B). Sie werden durch
das Sonnenlicht nicht abgebaut und sind wasserfest. Durch Multiplikation
des angegebenen Schutzfaktors mit der Eigenschutzzeit ihrer Haut erfahren
Sie, wie lange Sie gefahrlos in der Sonne bleiben dürfen.
Die Mediziner unterscheiden vier Hauttypen:
-
Der keltische Typ (rotblond): Eigenschutzzeit
maximal 10 Minuten.
-
Der germanische Typ (blond): Eigenschutzzeit
bis 20 Minuten.
-
Der Mischtyp (brünett): Eigenschutzzeit
bis 30 Minuten.
-
Der Mittelmeertyp (dunkel): Eigenschutzzeit
bis 40 Minuten.
(Abbildungen und genauere Erläuterungen
zu den vier Hauttypen finden Sie unter http://www.bfs.de/uvi/hauttyp.htm)
Bei einem Sonnenschutzfaktor 18 ergibt sich
eine maximale Sonnenbadzeit von allerhöchstens 3 Stunden für
den keltischen Typ, während der Mittelmeertyp den ganzen Tag am
Strand bleiben könnte. Aber Achtung! Mindestens ein Drittel der
maximalen Zeit ist abzuziehen, wenn die Sonne intensiv strahlt, also
in der Mittagsstunden zwischen 11 und 15 Uhr. Auch die starke Reflexion
des Wassers und südlichere Breiten, in denen die Sonne höher
steht als bei uns verkürzen die Eigenschutzzeit.
Ultraviolettes Licht ist übrigens nicht
das einzige Risiko, das die Sonne mit sich bringt. In Bodennähe
zersetzt das Licht Abgase unter Mitwirkung des Luftsauerstoffs. Dabei
entstehen verschiedene Abbauprodukte, unter anderem das Gas Ozon. In
den oberen Schichten der Atmosphäre ist es nützlich, weil
es einen Teil des einfallenden UV-Lichtes von uns fern hält. Am
Boden, als Teil der Atemluft, ist es für uns giftig. Atembeschwerden,
Kreislaufprobleme und Kopfschmerzen sind die ersten Anzeichen hoher
Ozonbelastung, die vereinzelt bei älteren Menschen zum Tode führen
kann.
Aktuelle Informationen über den Schutz
vor UV-Strahlung und Prognosen über die UV- und Ozonbelastung in
Deutschland und anderen Teilen der Erde liefern die Internetseiten des
Bundesamtes für Strahlenschutz unter http://www.bfs.de/uvi/index.htm.