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Ausgabe 07/2000
Sonne pur
Wieviel UV-Licht ist gesund?

Schon ab Ende April zeigte sich in Deutschland für drei Wochen die Sonne von früh bis spät, dazu Temperaturen bis 30 Grad. In den nächsten Jahren rückt das Mittelmeerklima immer weiter in unsere Breiten vor. Mehr Chancen auf braune Haut, aber auch mehr Risiken auf frühe Hautalterung und Krebs.

 
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In früheren Zeiten pflegten die Reichen ihre vornehme Blässe und gingen nie ohne Sonnenschirm außer Haus. Braun waren die Armen, Bauernmädchen und Dienstmägde, die einen großen Teil des Tages ungeschützt im Freien arbeiten mußten. Mit der Rückbesinnung auf natürliche Lebensformen gewann bei den Wohlhabenden die Lust an der Sonne allmählich Oberhand. Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts traf man sich in teuren Kurorten und ließ sich von der Sonne bescheinen, während die Arbeiter bis zu 16 Stunden am Tag in dunklen Fabrikhallen schufteten.


Der Massentourismus streckte zwischen beiden Weltkriegen vorsichtig seine Fühler aus, doch erst nach 1945 konnte sich die Mehrheit einen Sommerurlaub leisten. Anfangs lobten die Ärzte ausschließlich die Segnungen von Wasser und Licht. Und obwohl heute in Medienberichten die Warnungen vorherrschen: auch heute bringt das Sonnenlicht im Großen und Ganzen mehr Nutzen als Schaden.


Was die Sonne auf die Erde strahlt, besteht zu knapp 52 Prozent auf sichtbarem Licht und zu 44 Prozent aus Wärmestrahlung. Beides aktiviert den Organismus – Kreislauf, Hormone und Stoffwechsel arbeiten besser, die Immunabwehr wird gestärkt und über das Vitamin D wird unter Lichteinwirkung mehr Kalzium in die Knochen eingelagert. Für gesunde Knochensubstanz ist ein gewisses Minimum an Sonnenlicht sogar lebensnotwendig. Dieses Minimum ist allerdings mit zehn Minuten täglichem Aufenthalt im Freien bei bedecktem Himmel und normal bedeckter Haut (Gesicht und Hände frei) bereits erreicht.


Wie bei vielen Arzneien kommt es auf die Dosis an. Der Körper besitzt einen eigenen Schutzmechanismus vor zuviel Licht – die Hautbräunung. Die Farbpigmente der Haut reagieren auf das ultraviolette Licht – das ist Licht mit einer kürzeren Wellenlänge und einer höheren Frequenz als das sichtbare Licht. Sein Anteil an den Sonnenstrahlen, die die Erde erreichen, beträgt etwas über 4 Prozent. Ist die Dosis aber zu stark, reicht der natürliche Eigenschutz der Haut nicht mehr aus – und dann wird es gefährlich. Kurzfristig gibt es schmerzhafte Sonnenbrände, langfristig drohen Allergien (Mallorca-Akne, Fachbegriff: Lichtdermatose), vorzeitige Hautalterung (Falten, Altersflecken) und Hautkrebs. In den letzten Jahren ist bei uns die Hautkrebsrate um acht Prozent gestiegen.


Bei der ultraviolette Strahlung unterscheiden die Mediziner zwei Anteile. Sonnenbrand wird durch UV-B-Licht ausgelöst. Gefährlicher ist aber die langfristige Wirkung des UV-A-Lichtes. Es dringt unbemerkt in die tieferen Hautschichten ein, sorgt dort zunächst für anhaltende Tiefenbräunung, dann aber auch für Austrocknung (Folge: Hautalterung) und Krebsbildung. Moderne Sonnenschutzmittel, die sogenannte Breitbandfilter enthalten, schützen vor beiden Strahlenbereichen (frühere Mittel schützten fast nur vor UV-B). Sie werden durch das Sonnenlicht nicht abgebaut und sind wasserfest. Durch Multiplikation des angegebenen Schutzfaktors mit der Eigenschutzzeit ihrer Haut erfahren Sie, wie lange Sie gefahrlos in der Sonne bleiben dürfen.


Die Mediziner unterscheiden vier Hauttypen:

  • Der keltische Typ (rotblond): Eigenschutzzeit maximal 10 Minuten.

  • Der germanische Typ (blond): Eigenschutzzeit bis 20 Minuten.

  • Der Mischtyp (brünett): Eigenschutzzeit bis 30 Minuten.

  • Der Mittelmeertyp (dunkel): Eigenschutzzeit bis 40 Minuten.

(Abbildungen und genauere Erläuterungen zu den vier Hauttypen finden Sie unter http://www.bfs.de/uvi/hauttyp.htm)

Bei einem Sonnenschutzfaktor 18 ergibt sich eine maximale Sonnenbadzeit von allerhöchstens 3 Stunden für den keltischen Typ, während der Mittelmeertyp den ganzen Tag am Strand bleiben könnte. Aber Achtung! Mindestens ein Drittel der maximalen Zeit ist abzuziehen, wenn die Sonne intensiv strahlt, also in der Mittagsstunden zwischen 11 und 15 Uhr. Auch die starke Reflexion des Wassers und südlichere Breiten, in denen die Sonne höher steht als bei uns verkürzen die Eigenschutzzeit.


Ultraviolettes Licht ist übrigens nicht das einzige Risiko, das die Sonne mit sich bringt. In Bodennähe zersetzt das Licht Abgase unter Mitwirkung des Luftsauerstoffs. Dabei entstehen verschiedene Abbauprodukte, unter anderem das Gas Ozon. In den oberen Schichten der Atmosphäre ist es nützlich, weil es einen Teil des einfallenden UV-Lichtes von uns fern hält. Am Boden, als Teil der Atemluft, ist es für uns giftig. Atembeschwerden, Kreislaufprobleme und Kopfschmerzen sind die ersten Anzeichen hoher Ozonbelastung, die vereinzelt bei älteren Menschen zum Tode führen kann.


Aktuelle Informationen über den Schutz vor UV-Strahlung und Prognosen über die UV- und Ozonbelastung in Deutschland und anderen Teilen der Erde liefern die Internetseiten des Bundesamtes für Strahlenschutz unter http://www.bfs.de/uvi/index.htm.

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