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Unter Titelthema:
Focusing
Selbstheilung mit Ihrer inneren Kamera

Ausgabe April 2002/ 5. Jahrgang

 

Kopfschmerzen, Unwohlsein, innere Spannungen - mit einer Methode, die vor 40 Jahren der amerikanische Psychologe Eugene T. Gendlin erfand, entwickeln Sie ein Gespür für Botschaften Ihres Körpers und hören auf die Sprache der Intuition. EGO-Net stellt Ihnen das Verfahren vor.

 

Wie reagieren Sie, wenn Sie ein flaues Gefühl im Magen spüren? Wenn sich ein nervöses Kribbeln einstellt? Die meisten von uns unterdrücken das Warnsignal oder geraten in Panik. Klüger wäre es, herauszufinden, was uns der Körper mitteilen will. Denn jede Empfindung, jedes Gefühl enthält eine Botschaft. Sowohl für andere - sie lesen sie in unserer Körpersprache - als auch für uns selbst. Wir spüren sie in unseren Emotionen, verleugnen sie jedoch, wenn sie uns gerade nicht in den Kram passen.

Focusing (deutsch: „den Blick auf einen Brennpunkt richten“) ist eine psychologische Technik, die Ihnen hilft, unklare Mitteilungen Ihres Körpers zu verstehen. Ein Empfinden, das Sie nicht deuten können, verweist in der Mehrzahl der Fälle auf einen seelischen Konflikt, der sich in Muskelspannungen ausdrückt.

Bei häufigen Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen empfehlen Ärzte neuerdings das Focusing. Es hilft aus dem Teufelskreis dauernden Schmerzmittelkonsums heraus. Die Patienten führen ein Schmerztagebuch. Sie tragen ein, wann, unter welchen Umständen und wie lange der Schmerz auftritt. Sie notieren, was sie gegessen haben, mit wem sie gerade Kontakt hatten, ob sie gut oder schlecht gelaunt waren - und finden so heraus, welche Auslöser an Ihrem Schmerz beteiligt sind. Das Ziel ist, Schmerzursachen zu erkennen und in Zukunft zu vermeiden.

Der entscheidende Schritt im Focusing ist jedoch ein systematisches, konzentriertes Hineinhorchen in das Innere des eigenen Körpers. So gehen Sie vor:

  1. Sie suchen sich einen stillen Platz und entspannen sich durch langsames, ruhiges Atmen. Nun achten Sie auf Ihre Körperempfindungen. Spüren Sie Spannungen im Schulterbereich? Ein Grummeln im Magen? Was fühlen Sie dabei? Registrieren Sie alle Empfindungen - ohne Bewertung, ohne sie als gut oder schlecht zu beurteilen.

  2. Wenn Sie auf eine Körperempfindung achten: kommen Ihnen zugleich ein bestimmter Ärger, eine konkrete Sorge in den Sinn - irgend etwas, das Sie momentan beschäftigt? Wenn ja: das könnte der innere Konflikt sein, der Ihre unangenehme Körperempfindung verursachte.

  3. Kehren Sie nun die Wirkungskette um: Denken Sie an Ihre augenblicklichen Unzufriedenheiten - ein Problem, ein ungeklärter Konflikt, ein Mitmensch, mit dem Sie nicht so recht klar kommen. Verändert sich Ihr Körperempfinden, wenn Sie an den Ärger denken?

  4. Versuchen Sie mittels Ihrer Phantasie ein Bild zu finden, das zu Ihrer Empfindung paßt. Es kann eine Farbe sein, ein Ton, ein Geschmack, Geruch oder eine Tastempfindung. Beispiele: Beschreiben Sie einen hinterhältigen Menschen als „schmierig“, einen Angreifer als „rotes, rauhes Tuch“, eine Pattsituation mit zwei gleichermaßen unangenehmen Alternativen als dunkle Weggabelung, die Sie sich so plastisch wie möglich vorstellen. Bringt Ihr gefundenes Bild Ihr Empfinden auf den Punkt? Falls ja, werden Sie eine intuitive Erleichterung spüren. Wenn nicht, suchen Sie weiter - wenn nötig, an einem anderen Tag in einer zweiten Focusing-Sitzung.

  5. Haben Sie ein Bild gefunden, lösen Sie Ihr Problem erst einmal in Ihrer Phantasie (mit Hilfe des gefundenen Symbols). Reiben Sie die Schmiere von dem Typen ab, reißen Sie das roten Tuch herunter, wagen Sie sich in die beiden Wege der Gabelung vor und spüren Sie, was mit Ihren Körperempfindungen passiert. Wenn Sie fühlen, wie die Spannungen von Ihnen abfallen oder gar ein triumphierendes Lächeln auf Ihre Lippen tritt, sind Sie auf dem richtigen Weg. Überlegen Sie nun, wie Sie das neue Bild in Ihre Realität zurückübersetzen.

Focusing klappt selten beim ersten Mal. Auf seinen Körper zu hören und dahinter die Sprache des Unbewußten zu entschlüsseln - das erfordert Übung. Die wenigsten besitzen noch ein unbefangenes Gespür für Ihre inneren Botschaften. Wer dem Kleinkindalter entwächst, verliert diese Intuition, weil er erzogen wird, sich zu „benehmen“. Nicht mehr allen Regungen unreflektiert nachzugeben.

Wenn Sie im Alleingang mit Focusing nicht klar kommen: lassen Sie eine vertraute Freundin zuhören. Wenn Sie gezwungen werden, Ihre Empfindungen laut und möglichst klar in Worte zu fassen, gelangen Sie leichter und schneller ans Ziel.

Unser Buchtipp:
Dein Körper sagt dir, wer du werden kannst. Focusing - Wege der inneren Achtsamkeit
von Klaus Renn

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